Vinted meldet Verkäufer ab 30 Verkäufen oder mehr als 2.000 Euro im Kalenderjahr an die Steuerbehörden. Eine Meldung heißt aber nicht, dass Steuer anfällt. Wer eigene, gebrauchte Sachen unter dem Kaufpreis verkauft, macht keinen Gewinn. Steuerlich heikel wird es erst, wenn Sie mit Gewinn weiterverkaufen oder gezielt für den Wiederverkauf einkaufen.
- Vinted meldet nach DAC7 ab 30 Verkäufen oder mehr als 2.000 Euro im Kalenderjahr, in Deutschland schon ab 2.000 Euro.
- Eine Meldung ist keine Steuerpflicht: Besteuert wird nur ein Gewinn, also Verkaufspreis über dem Kaufpreis.
- AT: Gewinn binnen eines Jahres, frei bis 440 Euro. DE: Alltagsgegenstände ausgenommen, sonst unter 1.000 Euro frei. CH: steuerfrei.
- Wer gezielt Ware zum Weiterverkauf einkauft, handelt in der Regel gewerblich und braucht Gewerbe, Aufzeichnungen und, wo verfügbar, Vinted Pro.
- Hauptrisiko ist der schleichende Übergang vom Ausmisten zum Handel, ohne Kaufbelege und ohne Anmeldung.
Vinted und Steuern: worum es geht
Vinted Steuern sind für die meisten Verkäufer kein Thema, solange sie eigene, gebrauchte Sachen verkaufen. Seit die EU-Regel DAC7 gilt, fragt Vinted aber viele Nutzer nach Steuer-ID und Geburtsdatum, und das verunsichert. Dieser Ratgeber trennt zwei Fragen, die oft vermischt werden: Was meldet Vinted an das Finanzamt? Und wann müssen Sie tatsächlich Steuer zahlen?
Die kurze Antwort: Die Meldung ist eine Pflicht der Plattform, keine Steuerpflicht für Sie. Steuer fällt nur auf einen Gewinn an. Wer einen Pullover für 60 Euro gekauft hat und ihn für 15 Euro verkauft, macht keinen Gewinn. Wer dagegen auf dem Flohmarkt einkauft und auf Vinted teurer weiterverkauft, handelt in der Regel, und dann gelten andere Regeln.
Was Verkaufen auf Vinted, willhaben oder Kleinanzeigen kostet, vergleicht der Ratgeber Gebrauchtes online verkaufen.
Was Vinted an das Finanzamt meldet
Vinted meldet Verkäufer, die im Kalenderjahr 30 oder mehr Verkäufe abschließen oder mehr als 2.000 Euro einnehmen. Laut Vinted-Hilfe reicht eine der beiden Bedingungen. Grundlage ist die EU-Richtlinie DAC7, in Österreich umgesetzt im Digitale Plattformen-Meldepflichtgesetz (DPMG), in Deutschland im Plattformen-Steuertransparenzgesetz (PStTG).
Ausgenommen ist nur, wer weniger als 30 Verkäufe und höchstens 2.000 Euro hat. Das österreichische Gesetz lässt Verkäufer frei, deren Vergütung 2.000 Euro nicht übersteigt. In Deutschland muss sie weniger als 2.000 Euro betragen (§ 4 Abs. 5 PStTG). Bei genau 2.000 Euro wird also in Deutschland gemeldet, in Österreich nicht.
Was gemeldet wird
Die Meldung enthält deutlich mehr als Ihren Namen. Nach § 13 DPMG meldet die Plattform bei Privatpersonen unter anderem:
- Vor- und Nachname, Hauptanschrift und Geburtsdatum
- Steueridentifikationsnummer, ersatzweise den Geburtsort
- die Kennung des Kontos, auf das ausgezahlt wird, sofern die Plattform sie kennt
- die Vergütung je Quartal und die Zahl der Verkäufe
- Gebühren, Provisionen und Steuern, die die Plattform je Quartal einbehalten hat
Wann Sie davon erfahren
Laut Vinted-Hilfe meldet sich Vinted bis zum Ende des Jahres bei Ihnen, wenn Sie eine Schwelle erreicht haben. Selbst aktiv werden müssen Sie nicht. Die Plattformen übermitteln die Daten dann bis 31. Januar des Folgejahres, in Deutschland an das Bundeszentralamt für Steuern (§ 13 PStTG).
Was bei fehlenden Angaben passiert, wie Sie falsche Meldungen korrigieren lassen und welche Änderungen die EU plant, erklärt der Ratgeber zur Plattform-Meldung nach DAC7.
Willhaben und Kleinanzeigen
Auch andere Marktplätze melden, aber nur, was sie kennen. Kleinanzeigen schreibt, dass ausschließlich abgeschlossene Verkäufe über das eigene Bezahlsystem übermittelt werden. Bei willhaben zählen laut Hilfeseite 30 oder mehr Transaktionen über PayLivery oder Verkaufserlöse über PayLivery von mehr als 2.000 Euro. Willhaben betont, dass sich dadurch weder die Steuergesetze noch die Beurteilung als gewerblich geändert haben.
Meldung ist keine Steuerpflicht
Die DAC7-Meldung sagt nichts darüber, ob Sie Steuer zahlen müssen. Das österreichische Gesetz hält ausdrücklich fest, dass die Meldung keine Auswirkung auf Ihr eigenes Abgabenverfahren hat (§ 28 Abs. 2 DPMG). Auch Vinted schreibt, dass ein DAC7-Bericht nicht bedeutet, dass Sie Steuern zahlen müssen, und dass der Verkauf persönlicher Gegenstände in der Regel nicht besteuert wird.
Umgekehrt gilt: Wer unter der Meldegrenze bleibt, ist deshalb nicht steuerfrei. Jede Plattform prüft die Grenze nur für sich. Wer auf drei Plattformen je 25 Verkäufe hat, wird vielleicht von keiner gemeldet. Steuerpflichtige Gewinne zählen trotzdem zusammen.
Privat oder schon gewerblich
Gewerblich verkaufen Sie, wenn Sie nachhaltig und mit Gewinnabsicht handeln. Das typische Merkmal ist der Zukauf von Ware, um sie weiterzuverkaufen. Wie das beim Verkauf von Karten aus der eigenen Sammlung aussieht, erklärt der Ratgeber Sammelkarten verkaufen. Eine feste Zahl an Verkäufen gibt es weder in Österreich noch in Deutschland.
Die Gesetze verwenden fast gleiche Worte: § 23 EStG in Österreich und § 15 Abs. 2 EStG in Deutschland sprechen von einer selbständigen, nachhaltigen Betätigung mit Gewinnabsicht, die sich als Beteiligung am allgemeinen wirtschaftlichen Verkehr darstellt. Nach der österreichischen Gewerbeordnung gilt auch eine einmalige Handlung als regelmäßig, wenn auf eine Wiederholungsabsicht zu schließen ist (§ 1 Abs. 4 GewO). Der Bundesfinanzhof hat zu eBay-Verkäufen (Urteil V R 2/11, zur Umsatzsteuer) Merkmale genannt, die nach dem Gesamtbild abzuwägen sind. Zahl und Umfang der Verkäufe allein entscheiden danach nicht.
Privat oder gewerblich: typische Merkmale
| Merkmal | Spricht eher für privat | Spricht eher für gewerblich |
|---|---|---|
| Herkunft der Ware | eigene, einmal für sich gekaufte Sachen | Zukauf zum Weiterverkauf, etwa auf Flohmärkten |
| Art der Ware | Gebrauchtes aus dem Haushalt | gleichartige Ware in Mengen oder Neuware |
| Dauer und Intensität | einmaliges Ausmisten | laufende Verkäufe über lange Zeit |
| Umfang | wenige Verkäufe, kleine Beträge | viele Verkäufe, hohe Erlöse |
| Planung | Preise nach Gefühl | planmäßiges Vorgehen mit kalkulierter Spanne |
| Auftreten | gelegentliche Anzeigen | aktiver Vertrieb wie ein Händler, etwa mit Lager |
Die Merkmale stammen aus dem BFH-Urteil, aus § 15 und § 23 EStG und aus § 1 GewO. Keine Zeile entscheidet allein. In der Schweiz gibt es keine Gewerbeanmeldung, die Einordnung treffen Steuerverwaltung und AHV-Ausgleichskasse im Einzelfall.
Steuer auf private Gebrauchtverkäufe je Land
Private Gebrauchtverkäufe sind in allen drei Ländern meist steuerfrei, die Gründe unterscheiden sich aber. Hier die Regeln im Detail, die Kurzfassung steht weiter unten in der Länder-Übersicht.
Österreich: Spekulationsgeschäft und 440 Euro
Steuerbar ist ein privater Verkauf nur als Spekulationsgeschäft, also wenn zwischen Kauf und Verkauf höchstens ein Jahr liegt (§ 31 Abs. 1 EStG). Als Einkünfte zählt der Unterschied zwischen Verkaufserlös und Anschaffungskosten. Sie bleiben steuerfrei, solange sie im Kalenderjahr insgesamt 440 Euro nicht übersteigen (§ 31 Abs. 3 EStG). Das ist eine Freigrenze: Liegen Sie darüber, ist der ganze Betrag steuerpflichtig. Eine Ausnahme für Gebrauchsgegenstände wie in Deutschland kennt § 31 nicht, bei Kleidung entsteht aber fast nie ein Gewinn. Die Vinted-Hilfe für Österreich nennt eine niedrigere Zahl, maßgeblich ist der Gesetzestext mit 440 Euro.
Deutschland: Alltagsgegenstände sind ausgenommen
Private Veräußerungsgeschäfte regelt § 23 EStG. Ein Gewinn ist steuerbar, wenn zwischen Kauf und Verkauf höchstens ein Jahr liegt. Ausdrücklich ausgenommen sind Gegenstände des täglichen Gebrauchs, Vinted nennt als Beispiele Kleidung und Spielzeug. Für andere Gegenstände, etwa Sammlerstücke, bleibt der Gesamtgewinn steuerfrei, wenn er im Kalenderjahr weniger als 1.000 Euro beträgt (§ 23 Abs. 3 EStG). Ob ein Gegenstand dem täglichen Gebrauch dient, kann im Einzelfall strittig sein.
Schweiz: privat steuerfrei
Kapitalgewinne aus der Veräußerung von Privatvermögen sind bei der direkten Bundessteuer steuerfrei (Art. 16 Abs. 3 DBG), für bewegliches Privatvermögen gilt das auch bei den Kantonen (Art. 7 Abs. 4 Bst. b StHG). Steuerbar wird es erst, wenn der Handel als selbständige Erwerbstätigkeit gilt (Art. 18 DBG).
Rechenbeispiele mit angenommenen Werten
Die folgenden Beispiele sind vereinfacht und dienen nur zur Veranschaulichung.
Kleiderschrank ausgemistet: Sie verkaufen 40 eigene Kleidungsstücke für zusammen 1.200 Euro. Wegen 40 Verkäufen meldet Vinted Sie nach DAC7. Steuer fällt nicht an, weil Sie die Sachen teurer gekauft haben.
Sneaker mit Gewinn binnen eines Jahres: Sie kaufen im März ein Paar limitierte Sneaker für 180 Euro und verkaufen es im Oktober desselben Jahres für 320 Euro. Weitere Kosten sind nicht angenommen. Der Gewinn beträgt 140 Euro.
- Österreich: 140 Euro liegen unter der Freigrenze von 440 Euro und bleiben steuerfrei. Verkaufen Sie im selben Jahr zusätzlich eine Konsole mit 350 Euro Gewinn, betragen die Spekulationseinkünfte 490 Euro. Dann sind die vollen 490 Euro steuerpflichtig. Sind Sie angestellt und liegen Ihre gesamten Nebeneinkünfte nicht über 730 Euro, bleiben sie über den Veranlagungsfreibetrag trotzdem steuerfrei (§ 39 Abs. 5 EStG).
- Deutschland: Angenommen, das Finanzamt sieht limitierte Sneaker nicht als Gegenstand des täglichen Gebrauchs. Dann bleiben 140 Euro unter 1.000 Euro steuerfrei. Kommen im selben Jahr 900 Euro Gewinn aus einem Sammlerstück dazu, beträgt der Gesamtgewinn 1.040 Euro und ist vollständig steuerpflichtig.
- Schweiz: Als privater Verkauf steuerfrei.
Wiederverkauf vom Flohmarkt: Sie kaufen 60 Jacken zu je 12 Euro und verkaufen sie für je 40 Euro. Das sind 2.400 Euro Umsatz und 1.680 Euro Rohgewinn vor Versand und Material. Hier handeln Sie in der Regel gewerblich, der Gewinn ist Einkommen, unabhängig von Spekulationsfrist und Freigrenze. Spannen wie diese können Sie mit dem Margen-Rechner durchspielen.
Vinted Pro und Pflichten gewerblicher Verkäufer
Wer gewerblich verkauft, muss sich laut Vinted als Pro-Verkäufer registrieren. Dafür müssen Sie offiziell als Einzelunternehmer, gemeinnützige Organisation oder Unternehmen eingetragen sein. Laut Pro-Leitfaden kann Vinted Sie auch selbst zur Registrierung auffordern und den Zugang sperren, wenn Sie die Kriterien erfüllen und sich nicht registrieren. Der Leitfaden nennt als reguläre Pro-Länder derzeit Frankreich, die Niederlande, Belgien, Luxemburg, Italien, Spanien und Portugal, in weiteren Ländern laufen Tests. Prüfen Sie daher in Ihrem Konto, ob Vinted Pro für Ihr Land angeboten wird.
Als Pro-Verkäufer übernehmen Sie Pflichten, die für Privatverkäufe nicht gelten:
- Widerrufsrecht: Verbraucher können online gekaufte Ware binnen 14 Tagen zurückgeben, in Deutschland nach § 355 BGB, in Österreich nach § 11 FAGG. Laut Vinted beginnt die Frist am Tag nach der Lieferung.
- Gewährleistung: Gegenüber Verbrauchern können Sie die Gewährleistung nicht vorab ausschließen (§ 476 BGB, § 9 KSchG). Bei gebrauchter Ware erlaubt Deutschland eine Verkürzung auf ein Jahr, wenn sie ausdrücklich und gesondert vereinbart ist.
- Anbieterangaben: Name, Anschrift, Telefon und E-Mail stehen laut Vinted auf Ihrem Profil und in Ihren Zusatzrichtlinien. Für eigene Websites oder Social-Media-Auftritte kommen Impressumspflichten nach § 5 ECG oder § 5 DDG dazu, die der Ratgeber zur Impressumspflicht erklärt.
- Gewerbe und Steuer: Für die Anmeldung bei den Behörden sind Sie laut Vinted selbst verantwortlich. Den Ablauf in jedem Land beschreibt der Ratgeber Gewerbe anmelden.
Verkaufen Sie gewerblich in andere EU-Länder, kann über 10.000 Euro Umsatz im Jahr die Umsatzsteuer des Käuferlandes gelten, auch darauf weist der Vinted-Leitfaden hin.
Schritt für Schritt: Verkäufe in der Steuererklärung angeben
In die Steuererklärung gehören steuerpflichtige Gewinne, nicht jeder Verkauf. So gehen Sie vor:
- Verkäufe sortieren: Trennen Sie eigene Sachen, die Sie unter dem Kaufpreis verkauft haben, von Verkäufen mit Gewinn und von zugekaufter Ware.
- Gewinn je Artikel ermitteln: Verkaufspreis minus Kaufpreis und Verkaufskosten, nur für Artikel mit höchstens einem Jahr zwischen Kauf und Verkauf.
- Jahressumme bilden: Gewinne und Verluste desselben Jahres rechnen Sie zusammen und vergleichen das Ergebnis mit der Freigrenze, 440 Euro in Österreich, unter 1.000 Euro in Deutschland.
- Deutschland, Anlage SO: Private Veräußerungsgeschäfte tragen Sie in der Anlage SO unter den anderen Wirtschaftsgütern ein, im Formular 2025 ab Zeile 52. Gegenstände des täglichen Gebrauchs gehören nicht hinein. Neben dem Gehalt ist eine Erklärung bei Nebeneinkünften über 410 Euro Pflicht (§ 46 EStG).
- Österreich, Formular E1: Einkünfte aus Spekulationsgeschäften nach § 31 EStG stehen bei den sonstigen Einkünften in Kennzahl 801. Neben dem Gehalt ist eine Veranlagung bei Nebeneinkünften über 730 Euro Pflicht (§ 41 EStG).
- Schweiz: Private Gebrauchtverkäufe sind steuerfrei. Nur gewerbsmäßigen Handel erklären Sie als selbständige Erwerbstätigkeit.
- Gewerblichen Handel getrennt erfassen: Er gehört nicht in Anlage SO oder Kennzahl 801, sondern zu den Einkünften aus Gewerbebetrieb, ermittelt etwa über eine Einnahmen-Ausgaben-Rechnung.
Zeilen und Kennzahlen können sich je Formularjahr ändern, prüfen Sie sie im aktuellen Formular. Alle Werte je Land finden Sie weiter unten in der Länder-Übersicht, die allgemeinen Regeln erklären die Grundlagen zu Steuer und Gewerbe.
Post vom Finanzamt nach einer DAC7-Meldung: so reagieren Sie
Ein Schreiben nach einer DAC7-Meldung ist meist eine Nachfrage, kein Vorwurf. Reagieren Sie sachlich und fristgerecht:
- Frist notieren: Halten Sie die Frist im Schreiben ein. Reicht sie nicht, beantragen Sie vor Ablauf eine Verlängerung, in Deutschland sind behördlich gesetzte Fristen verlängerbar (§ 109 AO).
- Zahlen abgleichen: Vergleichen Sie die gemeldeten Beträge mit Ihrer Verkaufsübersicht und der DAC7-Übersicht der Plattform.
- Einkaufspreise nachweisen: Rechnungen, Bestellbestätigungen, Kontoauszüge oder Screenshots belegen Kaufpreis und Kaufdatum, also Anschaffungskosten und Haltedauer. Fehlen Belege für alte Sachen, kann eine nachvollziehbare Aufstellung mit Marke und ungefährem Kaufjahr helfen.
- Kurz erklären: Schreiben Sie, ob es sich um eigene, gebrauchte Sachen oder um Zukäufe handelt, und legen Sie die Aufstellung bei.
- Bescheid prüfen: Gegen einen Steuerbescheid legen Sie in Deutschland binnen eines Monats Einspruch ein (§ 355 AO). In Österreich haben Sie für eine Beschwerde einen Monat ab Zustellung, die Frist ist auf Antrag verlängerbar (§ 245 BAO).
Für die Zukunft genügt eine Liste je Artikel mit Kaufdatum, Kaufpreis, Verkaufsdatum, Verkaufspreis und Kosten, bei Zukauf auch mit Ort des Einkaufs. Bei hohen Beträgen hilft eine Steuerberatung.
Häufige Irrtümer
Rund um Vinted und das Finanzamt halten sich einige Missverständnisse. Die wichtigsten:
- „Ab 2.000 Euro muss ich Steuer zahlen.“ Die 2.000 Euro sind eine Meldegrenze für Plattformen, keine Steuergrenze.
- „Unter 30 Verkäufen bin ich auf der sicheren Seite.“ Auch ohne Meldung müssen steuerpflichtige Gewinne erklärt werden.
- „Besteuert wird der Umsatz.“ Steuerlich zählt der Gewinn. Wer unter dem Kaufpreis verkauft, hat keinen.
- „Die 440 Euro sind ein Freibetrag.“ Es ist eine Freigrenze. Wird sie überschritten, ist der ganze Gewinn steuerpflichtig, in Deutschland gilt das für die 1.000 Euro genauso.
- „Ich verteile Verkäufe auf mehrere Konten.“ Das ändert nichts an der Steuer und kann gegen die Regeln der Plattform verstoßen.
Fazit
Für die allermeisten Vinted-Verkäufer gilt: Ausmisten ist steuerfrei, auch wenn Vinted Sie nach DAC7 meldet. Die Meldung ab 30 Verkäufen oder mehr als 2.000 Euro sorgt nur dafür, dass das Finanzamt Ihre Einnahmen kennt. Aufmerksam sollten Sie werden, wenn Sie Dinge mit Gewinn weiterverkaufen oder gezielt Ware einkaufen. Dann helfen Belege, eine frühe Klärung von Gewerbe und Steuer und gegebenenfalls ein Wechsel zu Vinted Pro. Im Zweifel klären Sie Ihre Lage mit dem Finanzamt, dem WKO-Gründerservice, der IHK oder einer Steuerberatung.
Länder-Übersicht: Steuer und Anmeldung in Ihrem Land
Österreich
- Steuer privat
- Ein Verkauf aus dem Privatvermögen ist nur steuerbar, wenn zwischen Kauf und Verkauf höchstens ein Jahr liegt (Spekulationsgeschäft, § 31 Abs. 1 EStG). Als Einkünfte zählt der Unterschied zwischen Erlös und Anschaffungskosten. Steuerfrei bleiben Spekulationseinkünfte, solange sie im Kalenderjahr insgesamt 440 Euro nicht übersteigen.
- Gewerblich
- Einkünfte aus Gewerbebetrieb entstehen bei einer selbständigen, nachhaltigen Betätigung mit Gewinnabsicht (§ 23 EStG). Nach § 1 GewO gilt auch eine einmalige Handlung als regelmäßig, wenn auf eine Wiederholungsabsicht zu schließen ist. Wer regelmäßig zum Wiederverkauf einkauft, braucht in der Regel eine Gewerbeberechtigung, die Einordnung klärt das WKO-Gründerservice.
- DAC7
- Nicht gemeldet wird, wer über eine Plattform weniger als 30 Verkäufe hat und dessen Vergütung 2.000 Euro nicht übersteigt. Laut § 28 DPMG hat die Meldung keine Auswirkung auf Ihr eigenes Abgabenverfahren.
- Neben dem Gehalt
- Liegen Ihre Nebeneinkünfte über 730 Euro im Jahr, müssen Sie eine Veranlagung abgeben (§ 41 EStG).
- Sozialversicherung
- Mit Gewerbeschein sind Sie nach GSVG grundsätzlich ab dem ersten Euro bei der SVS versichert. Auf Antrag gibt es die Kleinunternehmerausnahme (2026: höchstens 6.613,20 Euro Einkünfte und 55.000 Euro Umsatz), die Unfallversicherung bleibt. Als Neue Selbständige sind Sie 2026 erst ab Einkünften über 6.613,20 Euro versichert.
Deutschland
- Steuer privat
- Veräußerungen von Gegenständen des täglichen Gebrauchs sind von den privaten Veräußerungsgeschäften ausgenommen (§ 23 Abs. 1 Satz 1 Nr. 2 EStG). Bei anderen Gegenständen ist ein Gewinn nur steuerbar, wenn zwischen Kauf und Verkauf höchstens ein Jahr liegt. Steuerfrei bleibt er, wenn der Gesamtgewinn im Kalenderjahr weniger als 1.000 Euro beträgt.
- Gewerblich
- Gewerbebetrieb ist eine selbständige, nachhaltige Betätigung mit Gewinnabsicht, die sich als Beteiligung am allgemeinen wirtschaftlichen Verkehr darstellt (§ 15 Abs. 2 EStG). Dann melden Sie ein Gewerbe an und informieren das Finanzamt innerhalb eines Monats (§ 138 AO).
- DAC7
- Ausgenommen ist nur, wer über dieselbe Plattform in weniger als 30 Fällen Waren verkauft und dafür insgesamt weniger als 2.000 Euro erhalten hat (§ 4 Abs. 5 PStTG). Die Plattformen melden bis 31. Januar an das Bundeszentralamt für Steuern (§ 13 PStTG).
- Neben dem Gehalt
- Liegen Ihre Nebeneinkünfte über 410 Euro im Jahr, müssen Sie eine Steuererklärung abgeben (§ 46 EStG). Gewerbesteuer fällt erst ab 24.500 Euro Gewerbeertrag an, Kleinunternehmer sind Sie bis 25.000 Euro Umsatz im Vorjahr und 100.000 Euro im laufenden Jahr.
Schweiz
- Steuer privat
- Kapitalgewinne aus der Veräußerung von Privatvermögen sind bei der direkten Bundessteuer steuerfrei (Art. 16 Abs. 3 DBG). Für die Kantone gilt dasselbe für Kapitalgewinne auf beweglichem Privatvermögen (Art. 7 Abs. 4 Bst. b StHG).
- Gewerbsmäßig
- Einkünfte aus selbständiger Erwerbstätigkeit sind steuerbar (Art. 18 DBG). Ob ein regelmäßiger Wiederverkauf schon selbständige Erwerbstätigkeit ist, beurteilen kantonale Steuerverwaltung und AHV-Ausgleichskasse im Einzelfall.
- DAC7
- DAC7 ist eine EU-Regel. Die vergleichbaren OECD-Musterregeln hält das SIF für die Schweiz derzeit für verfrüht, sie sind hier nicht eingeführt.
- AHV und MWST
- Liegt der Reingewinn aus dem Nebenerwerb über CHF 2.500 im Jahr, melden Sie sich bei einer AHV-Ausgleichskasse an. MWST-pflichtig werden Sie ab einem weltweiten Jahresumsatz von CHF 100.000.
Passt das zu Ihnen?
- eigene Kleidung, Spielzeug und Haushaltsdinge verkaufen
- wissen wollen, warum Vinted nach Steuerdaten fragt
- Kaufbelege aufheben und Verkäufe kurz notieren
- regelmäßig Ware zukaufen und als Privatverkauf ausgeben
- eine DAC7-Meldung ignorieren und Daten nicht angeben
- Gewinne über mehrere Plattformen verteilen, um Grenzen zu umgehen
Häufige Fragen
Muss ich Vinted-Verkäufe beim Finanzamt angeben?
Verkaufen Sie eigene, gebrauchte Sachen unter dem Kaufpreis, entsteht kein Gewinn und meist nichts, was Sie angeben müssten. Anzugeben sind steuerpflichtige Gewinne, etwa aus dem Wiederverkauf mit Aufschlag oder aus gewerblichem Handel. Welche Grenzen gelten, steht in der Länder-Übersicht oberhalb dieser Fragen.
Ab wie vielen Verkäufen meldet Vinted an das Finanzamt?
Laut Vinted-Hilfe ab 30 abgeschlossenen Verkäufen oder Einnahmen über 2.000 Euro im Kalenderjahr. Es genügt eine der beiden Bedingungen. In Deutschland greift die Meldung nach dem Gesetz schon ab genau 2.000 Euro.
Wie erfahre ich, ob Vinted mich meldet?
Vinted meldet sich laut eigener Hilfeseite bis zum Jahresende bei Ihnen, wenn Sie eine Schwelle erreicht haben, und fragt Ihre Daten ab. Hören Sie nichts, müssen Sie nichts tun. Selbst melden müssen Sie sich bei Vinted nicht.
Muss ich Steuern zahlen, wenn Vinted mich nach DAC7 meldet?
Nein, nicht automatisch. Die Meldung zeigt dem Finanzamt nur, was Sie eingenommen haben. Steuer fällt erst an, wenn ein steuerpflichtiger Gewinn entsteht, und das ist beim Verkauf eigener Kleidung selten der Fall.
Ist der Verkauf von Kleidung auf Vinted steuerfrei?
In aller Regel ja, weil gebrauchte Kleidung meist unter dem Kaufpreis verkauft wird. In Deutschland sind Gegenstände des täglichen Gebrauchs zudem ausdrücklich ausgenommen. Anders ist es, wenn Sie Kleidung gezielt einkaufen, um sie teurer weiterzuverkaufen.
Wann gilt man auf Vinted als gewerblicher Verkäufer?
Eine feste Zahl gibt es nicht. Entscheidend ist, ob Sie nachhaltig und mit Gewinnabsicht handeln, typisch ist der Zukauf von Ware zum Weiterverkauf. Wo Vinted Pro angeboten wird, verlangt Vinted dann die Registrierung als Pro-Verkäufer.
Zählen Verkäufe auf Vinted, willhaben und Kleinanzeigen zusammen?
Für die DAC7-Meldegrenze nicht, jede Plattform prüft nur ihre eigenen Verkäufe. Für die Steuer zählt dagegen alles zusammen, auch Verkäufe, die keine Plattform meldet.
Meldet Kleinanzeigen auch Barverkäufe an das Finanzamt?
Laut Kleinanzeigen werden nur abgeschlossene Verkäufe über das eigene Bezahlsystem gemeldet, die Zahl der Anzeigen zählt nicht. Bei willhaben zählen laut Hilfeseite die Transaktionen über PayLivery. Steuerpflichtige Gewinne aus Barverkäufen müssen Sie trotzdem angeben.
Brauche ich für Vinted-Verkäufe Kaufbelege?
Für eigene Sachen, die Sie günstiger verkaufen, ist ein Beleg nicht zwingend, schadet aber nie. Kaufen Sie zum Weiterverkauf ein oder verkaufen Sie mit Gewinn, belegen Kaufbeleg und Kaufdatum Ihre Anschaffungskosten und die Haltedauer.
Kann ich Verluste aus Vinted mit dem Gehalt verrechnen?
Nein. In Deutschland dürfen Verluste aus privaten Veräußerungsgeschäften nur mit Gewinnen aus solchen Geschäften verrechnet werden, im selben Jahr oder per Rück- und Vortrag (§ 23 Abs. 3 EStG). In Österreich ist ein Gesamtverlust aus Spekulationsgeschäften eines Jahres nicht ausgleichsfähig (§ 31 Abs. 4 EStG). Verluste aus Gegenständen des täglichen Gebrauchs wie Kleidung zählen in Deutschland ohnehin nicht.
- Vinted: DAC7, was du wissen solltest (Österreich)
- Vinted: DAC7, was du wissen solltest (Deutschland)
- Vinted: Vinted für Profis
- Vinted: Leitfaden für Pro-Verkäufer
- willhaben: Gesetzlich vorgegebene Dateneingabe nach DAC7/DPMG
- Kleinanzeigen: DAC7
- RIS: § 31 EStG 1988
- RIS: § 23 EStG 1988
- RIS: § 1 Gewerbeordnung 1994
- RIS: § 13 DPMG
- RIS: § 28 DPMG
- RIS: § 9 Konsumentenschutzgesetz
- RIS: § 11 FAGG
- RIS: § 5 ECG
- § 23 EStG
- § 15 EStG
- § 4 PStTG
- § 13 PStTG
- § 355 BGB
- § 476 BGB
- § 5 DDG
- Fedlex: Bundesgesetz über die direkte Bundessteuer (DBG)
- Fedlex: Steuerharmonisierungsgesetz (StHG)
- SIF: Sharing Economy
- BFH, Urteil V R 2/11 vom 26.04.2012 (eBay-Verkäufe)
- Haufe: Anlage SO 2025, andere Wirtschaftsgüter (Zeilen 52 bis 57)
- Parlament: Anfragebeantwortung 3707/AB (Kennzahl 801 für Spekulationsgewinne)
- Blockpit: Formular E1, Kennzahl 801
- BFG RV/5100206/2024 zu § 31 EStG (Findok)
- § 46 EStG
- RIS: § 41 EStG
- § 109 AO
- § 355 AO
- BMF: Beschwerde, Zahlungserleichterung, Nachsicht

Gründer von Finanzbaron, lebt in Graz. Schreibt hier, wie man online Geld verdient und was dabei in Österreich, Deutschland und der Schweiz gilt.
Mehr über mich