Grundlagen

Ohne Gewerbe Geld verdienen: was ohne Anmeldung wirklich geht

Foto von Mathias GallerMathias GallerGeprüft am
Das Wichtigste in Kürze

Eine allgemeine Grenze, bis zu der Sie ohne Gewerbe Geld verdienen dürfen, gibt es in keinem der drei Länder. Ob ein Gewerbe nötig ist, hängt von der Art der Tätigkeit ab, nicht vom Betrag. Ohne Gewerbe geht es legal vor allem als Neue Selbständige in Österreich, als Freiberufler in Deutschland, bei gelegentlichen Privatverkäufen und beim Hobby.

  • Eine allgemeine Freigrenze ohne Gewerbe gibt es nicht: Ob Sie ein Gewerbe brauchen, entscheidet die Tätigkeit, nicht der Betrag.
  • Beträge wie 730 Euro (AT) oder 410 Euro (DE) regeln nur die Steuererklärung neben dem Gehalt, nicht die Gewerbepflicht.
  • Ohne Gewerbe geht es als Neue Selbständige in AT, als Freiberufler in DE, beim gelegentlichen Privatverkauf und beim Hobby.
  • Kleine Freigrenzen: AT 220 und 440 Euro, DE 256 und 1.000 Euro. Darüber, in Deutschland schon ab Erreichen, wird der ganze Betrag steuerpflichtig.
  • In CH gibt es keine Gewerbeanmeldung, über CHF 2.500 Reingewinn melden Sie sich aber bei einer AHV-Ausgleichskasse an.

Ohne Gewerbe Geld verdienen: worum es geht

Ohne Gewerbe Geld verdienen ist in Österreich, Deutschland und der Schweiz möglich, aber nicht so, wie es oft erzählt wird. Den einen Betrag, bis zu dem jede Tätigkeit ohne Anmeldung erlaubt ist, gibt es in keinem der drei Länder. Ob Sie ein Gewerbe brauchen, hängt davon ab, was Sie tun und wie Sie es tun, nicht davon, wie viel Sie verdienen.

Dieser Ratgeber räumt mit dem Mythos der allgemeinen Freigrenze auf. Er zeigt, welche Grenzen es wirklich gibt und was sie bedeuten. Danach geht er die drei Länder einzeln durch: Wo Sie ohne Gewerbeschein oder Gewerbeanzeige legal Geld verdienen können und wo nicht.

Eine Warnung vorweg: Ohne Gewerbe heißt nicht ohne Pflichten. Auch wer kein Gewerbe braucht, muss Einkünfte in der Regel versteuern und kann sozialversicherungspflichtig werden.

Der Mythos von der Freigrenze: Steuergrenze ist nicht Gewerbegrenze

Die meisten Beträge, die als Freigrenze für Nebenverdienste herumgereicht werden, sind Steuergrenzen. Sie sagen etwas darüber, ob und wie viel Steuer Sie zahlen, aber nichts darüber, ob Sie ein Gewerbe anmelden müssen.

Die wichtigsten Zahlen und was sie wirklich bedeuten:

Betrag Land Was er regelt Mit Gewerbe zu tun?
730 Euro AT Darüber Pflichtveranlagung neben dem Gehalt Nein
410 Euro DE Darüber Steuererklärungspflicht neben dem Gehalt Nein
6.613,20 Euro AT Versicherungsgrenze für Neue Selbständige 2026 Nein, Sozialversicherung
55.000 Euro AT Kleinunternehmerregelung bei der Umsatzsteuer Nein, Umsatzsteuer
25.000 und 100.000 Euro DE Kleinunternehmerregelung bei der Umsatzsteuer Nein, Umsatzsteuer
CHF 2.500 CH Darüber AHV-Anmeldung für den Nebenerwerb Nein, Sozialversicherung
30 Verkäufe oder 2.000 Euro EU Meldung durch Plattformen (DAC7), ab 30 Verkäufen oder über 2.000 Euro (DE: ab 2.000 Euro) Nein, nur Meldung

Bei DAC7 ist ausgenommen nur, wer weniger als 30 Verkäufe und höchstens 2.000 Euro erzielt. Bei Vermietung und Dienstleistungen gilt diese Schwelle nicht. Eine Meldung bedeutet nicht automatisch Steuerpflicht. Was Plattformen genau melden, erklärt der Ratgeber DAC7: Plattformen melden ans Finanzamt.

Der Irrtum entsteht, weil kleine Beträge oft steuerfrei bleiben. Steuerfrei bedeutet aber nicht gewerbefrei. Wer regelmäßig Affiliate-Provisionen kassiert, braucht in Österreich in aller Regel ein Handelsgewerbe, auch wenn es im ersten Jahr nur 300 Euro sind.

Was ein Gewerbe überhaupt ausmacht

Ein Gewerbe liegt vor, wenn Sie selbständig, regelmäßig und mit Gewinnabsicht tätig sind. Diese Merkmale gelten in Österreich und Deutschland ähnlich.

In Österreich ist eine Tätigkeit nach § 1 Gewerbeordnung gewerbsmäßig, wenn sie selbständig, regelmäßig und in der Absicht betrieben wird, einen Ertrag oder sonstigen wirtschaftlichen Vorteil zu erzielen. Die WKO stellt genau diese drei Kriterien in den Mittelpunkt. Auch Werbegeschenke wie Produktproben, Gutscheine oder Reisen zählen laut WKO als Betriebseinnahmen.

In Deutschland beschreibt § 15 Abs. 2 EStG den Gewerbebetrieb als selbständige, nachhaltige Tätigkeit mit Gewinnabsicht, die sich als Beteiligung am allgemeinen wirtschaftlichen Verkehr darstellt. Ausgenommen sind ausdrücklich freie Berufe, Land- und Forstwirtschaft und andere selbständige Arbeit. Wer ein stehendes Gewerbe beginnt, muss das nach § 14 GewO gleichzeitig der Behörde anzeigen.

In der Schweiz gibt es keine Gewerbeanmeldung im österreichischen oder deutschen Sinn. Dort ist die Frage eine andere: Gelten Sie als selbständigerwerbend oder betreiben Sie ein Hobby?

Der Betrag spielt bei all diesen Definitionen keine Rolle. Ein Gewinn von 200 Euro kann gewerblich sein, ein Verkaufserlös von 5.000 Euro privat.

Österreich: was ohne Gewerbeschein geht

In Österreich gibt es drei legale Wege, ohne Gewerbeschein Geld zu verdienen.

1. Als Neue Selbständige. Manche Tätigkeiten sind selbständig, fallen aber nicht unter die Gewerbeordnung. Die WKO nennt als Beispiele Webinare sowie Einnahmen aus Abos für einen Blog, aus Klicks und Aufrufen. Dafür brauchen Sie keine Gewerbeberechtigung. Einkommensteuerpflichtig sind Sie trotzdem. Als Neue Selbständige sind Sie 2026 erst ab Einkünften über 6.613,20 Euro versichert. Überschreiten Sie die Grenze, ohne es zu melden, schreibt die SVS die Beiträge nach. Erfährt sie es erst über den Steuerbescheid, kommt ein Zuschlag von 9,3 Prozent der Pensions- und Krankenversicherungsbeiträge dazu. Den Zuschlag vermeiden Sie, wenn Sie das Überschreiten binnen acht Wochen ab Ausstellung des Bescheids melden.

2. Gelegentliche Privatverkäufe. Wer Dinge aus dem eigenen Haushalt verkauft, handelt in der Regel privat. Das BMF nennt für Online-Verkäufe die Nachhaltigkeit als wichtigstes Unterscheidungsmerkmal, also wiederholte Verkäufe oder die Absicht dazu. Steuerlich ist ein privater Verkauf nur relevant, wenn zwischen Kauf und Verkauf höchstens ein Jahr liegt. Dann ist der Gewinn ein Spekulationsgeschäft, steuerfrei bis insgesamt 440 Euro im Kalenderjahr (§ 31 EStG). Mehr dazu im Ratgeber Gebrauchtes online verkaufen.

3. Gelegentliche Leistungen. Wer einmal etwas vermittelt oder einen Gegenstand vermietet, erzielt Einkünfte aus Leistungen. Sie sind nicht steuerpflichtig, wenn sie im Kalenderjahr höchstens 220 Euro betragen (§ 29 Z 3 EStG).

Und das Gewerbe? Für Affiliate-Provisionen brauchen Sie laut WKO in aller Regel ein Handelsgewerbe, für bezahlte Werbung das Ankündigungsunternehmen oder die Werbeagentur. Mit Gewerbeschein sind Sie nach GSVG grundsätzlich ab dem ersten Euro bei der SVS versichert. Auf Antrag gibt es die Kleinunternehmerausnahme (2026: höchstens 6.613,20 Euro Einkünfte und 55.000 Euro Umsatz), die Unfallversicherung bleibt. Ob Sie die Ausnahme nutzen können, hängt auch von Alter und früheren Versicherungszeiten ab. Im Zweifel klärt das Gründerservice Ihrer Landeskammer die passende Einordnung.

Liebhaberei. Eine Tätigkeit, die nicht darauf ausgerichtet ist, innerhalb eines überschaubaren Zeitraums ein positives Gesamtergebnis zu erbringen, ist laut BMF Liebhaberei. Verluste daraus sind steuerlich unbeachtlich und lassen sich nicht mit dem Gehalt ausgleichen. Liebhaberei ist also kein Schlupfloch, sondern verhindert vor allem, dass Hobbyverluste die Steuer senken.

Deutschland: Gewerbe, Freiberuf oder privat

In Deutschland gibt es drei Schubladen: Gewerbe, freier Beruf und privat. Nur das Gewerbe braucht eine Gewerbeanzeige.

Freier Beruf. Nach § 18 EStG gehören dazu die selbständig ausgeübte wissenschaftliche, künstlerische, schriftstellerische, unterrichtende oder erzieherische Tätigkeit sowie Katalogberufe wie Journalisten, Übersetzer, Dolmetscher, Ingenieure oder beratende Betriebswirte. Wer als freie Texterin, Nachhilfelehrer oder Illustratorin arbeitet, ist damit oft freiberuflich tätig. Eine Gewerbeanzeige ist dafür in der Regel nicht nötig. Beim Finanzamt melden Sie die Tätigkeit trotzdem innerhalb eines Monats an (§ 138 AO). Wie die Anmeldung als Selbständige oder Selbständiger abläuft, zeigt der Ratgeber Freelancer werden.

Privates Veräußerungsgeschäft. Verkaufen Sie Privates, ist das kein Gewerbe. Gegenstände des täglichen Gebrauchs sind von der Besteuerung ganz ausgenommen. Bei anderen Gegenständen, etwa Sammlerstücken, ist ein Gewinn steuerpflichtig, wenn zwischen Kauf und Verkauf höchstens ein Jahr liegt. Gewinne bleiben steuerfrei, wenn der Gesamtgewinn aus privaten Veräußerungsgeschäften im Kalenderjahr weniger als 1.000 Euro beträgt (§ 23 Abs. 3 EStG).

Gelegentliche Leistungen. Einkünfte aus gelegentlichen Vermittlungen oder der Vermietung beweglicher Gegenstände sind sonstige Einkünfte. Sie sind nicht einkommensteuerpflichtig, wenn sie weniger als 256 Euro im Kalenderjahr betragen haben (§ 22 Nr. 3 EStG).

Freigrenze, nicht Freibetrag. Die 256 und 1.000 Euro sind Freigrenzen. Ein Beispiel mit angenommenen Werten: Erzielen Sie mit gelegentlichen Vermittlungen 250 Euro, bleibt alles steuerfrei. Bei 260 Euro sind die vollen 260 Euro steuerpflichtig, nicht nur die 4 Euro über der Grenze. Dasselbe gilt in Österreich für die 220 und 440 Euro.

Gewerbe. Alles, was selbständig, nachhaltig und mit Gewinnabsicht am Markt stattfindet und kein freier Beruf ist, ist Gewerbe. Typisch sind Handel, Dropshipping, Affiliate-Marketing und Agenturleistungen. Auch ohne Gewerbeanmeldung kann das Finanzamt eine solche Tätigkeit als gewerblich einstufen. Gewerbesteuer fällt erst ab einem Gewerbeertrag über 24.500 Euro im Jahr an.

Schweiz: Hobby oder Erwerb

In der Schweiz gibt es keine Gewerbeanmeldung. Entscheidend ist, ob Sie steuerlich und bei der AHV als selbständigerwerbend gelten.

Die ESTV nennt als Merkmale selbständiger Erwerbstätigkeit unter anderem den Einsatz von Arbeit und Kapital, das Handeln auf eigene Rechnung und eigenes Risiko, die Gewinnabsicht, Dauerhaftigkeit, Planmäßigkeit und Marktpräsenz. Beurteilt wird das Gesamtbild im Einzelfall.

Fehlt jeder gewerbliche Charakter, liegt laut Steuerverwaltung Bern Liebhaberei vor, also eine rein private Vermögensverwendung. Verluste sind dann nicht abziehbar, Gewinne nicht steuerbar. Bleibt eine Tätigkeit dauerhaft erfolglos und wird trotzdem weitergeführt, deutet das auf fehlende Gewinnabsicht hin. In der Praxis wird Liebhaberei laut Steuerverwaltung Bern angenommen, wenn innerhalb von 5 bis 10 Jahren kein nennenswerter Gewinn erzielt wird.

Für die AHV gilt: Liegt der Reingewinn aus dem Nebenerwerb über CHF 2.500 im Jahr, melden Sie sich bei einer AHV-Ausgleichskasse als selbständigerwerbend an. Darunter werden Beiträge nur auf Ihren Wunsch erhoben. Ob Sie als selbständig gelten, beurteilt die Ausgleichskasse.

Schritt für Schritt: brauchen Sie ein Gewerbe?

Mit diesen Fragen ordnen Sie Ihre Tätigkeit selbst grob ein.

  1. Tun Sie es regelmäßig? Ein einmaliger Verkauf oder eine einzelne Vermittlung ist etwas anderes als ein laufendes Angebot.
  2. Wollen Sie Gewinn machen? Wer bewusst Preise kalkuliert, wirbt und Kunden sucht, hat Gewinnabsicht.
  3. Was genau verkaufen Sie? Waren und Provisionen sind in Österreich und Deutschland fast immer gewerblich. Eigene kreative, schreibende oder unterrichtende Leistungen können ohne Gewerbe möglich sein.
  4. Ist es Privatvermögen? Gebrauchte Dinge aus dem eigenen Haushalt sind etwas anderes als gezielt eingekaufte Ware.
  5. Fachstelle fragen. In Österreich hilft das WKO-Gründerservice, in Deutschland IHK oder Gewerbeamt, in der Schweiz die AHV-Ausgleichskasse.
  6. Finanzamt informieren. Auch ohne Gewerbe melden Sie eine selbständige Tätigkeit beim Finanzamt.
  7. Sozialversicherung prüfen. Klären Sie, ab welchem Betrag Beiträge fällig werden, bevor die Grenze erreicht ist.
  8. Netto rechnen. Was nach Steuer und Abgaben bleibt, zeigt der Ratgeber Nebenverdienst netto.

Steuer und Anmeldung

Gewerbe, Steuer und Sozialversicherung sind drei getrennte Fragen. Jede hat ihre eigenen Grenzen.

Ob Sie ein Gewerbe brauchen, richtet sich nach der Art der Tätigkeit. Ob Sie eine Steuererklärung abgeben, richtet sich nach der Höhe Ihrer Einkünfte. Ob Sie Sozialversicherung zahlen, richtet sich nach Ihrem Status und Ihrem Gewinn. Was das für Ihre Krankenversicherung bedeutet, beantwortet der Ratgeber Krankenversicherung im Nebenerwerb. Beziehen Sie Arbeitslosengeld, Kinderbetreuungsgeld oder Elterngeld, kann schon ein kleiner Nebenverdienst die Leistung beeinflussen. Was dann gilt, zeigen die Ratgeber Arbeitslos und Nebenverdienst und Karenz, Elterngeld und Nebenverdienst.

Die Grenzwerte je Land stehen weiter unten in der Länder-Übersicht. Den Überblick zu Gewerbe, Einkommensteuer, Sozialversicherung und Kleinunternehmerregelung finden Sie in den Grundlagen zu Steuer und Sozialversicherung.

Häufige Irrtümer

Rund um das Thema ohne Gewerbe halten sich einige hartnäckige Annahmen.

  • „Bis 730 oder 410 Euro brauche ich kein Gewerbe.“ Diese Beträge regeln nur die Steuererklärung neben einem Gehalt.
  • „Unter der Kleinunternehmergrenze bin ich kein Unternehmer.“ Die Kleinunternehmerregelung betrifft nur die Umsatzsteuer. Gewerbe und Einkommensteuer bleiben davon unberührt.
  • „Ohne Gewerbe muss ich nichts versteuern.“ Neue Selbständige und Freiberufler zahlen ganz normal Einkommensteuer.
  • „Ein Hobby ist immer steuerfrei.“ Wer dauerhaft Gewinne erzielt und am Markt auftritt, wird in der Regel als selbständig eingestuft.
  • „Die Plattform meldet mich nicht, also ist es privat.“ Die DAC7-Meldung und die steuerliche Einordnung sind unabhängig voneinander.
  • „Freigrenze heißt, nur der Teil darüber wird besteuert.“ Bei einer Freigrenze wird beim Überschreiten der ganze Betrag steuerpflichtig.

Fazit

Eine allgemeine Grenze für Geld verdienen ohne Gewerbe gibt es nicht. Entscheidend ist die Art der Tätigkeit: Handel, Provisionen und Werbung sind in Österreich und Deutschland in aller Regel gewerblich. Ohne Gewerbe geht es als Neue Selbständige in Österreich, als Freiberufler in Deutschland, beim gelegentlichen Privatverkauf und beim echten Hobby. In der Schweiz zählt statt einer Gewerbeanmeldung die AHV-Grenze von CHF 2.500. Prüfen Sie Ihre Tätigkeit vor dem Start mit der zuständigen Stelle und melden Sie im Zweifel lieber an.

Länder-Übersicht: Steuer und Anmeldung in Ihrem Land

Österreich

Gewerbe
Gewerbsmäßig ist eine Tätigkeit nach § 1 Gewerbeordnung, wenn sie selbständig, regelmäßig und mit Ertragsabsicht ausgeübt wird. Für Affiliate-Provisionen brauchen Sie laut WKO in aller Regel ein Handelsgewerbe, für bezahlte Werbung das Ankündigungsunternehmen oder die Werbeagentur. Reine Einnahmen aus Abos, Klicks und Aufrufen nennt die WKO als Beispiel für Neue Selbständige ohne Gewerbe.
Sozialversicherung
Mit Gewerbeschein sind Sie nach GSVG grundsätzlich ab dem ersten Euro bei der SVS versichert. Auf Antrag gibt es die Kleinunternehmerausnahme (2026: höchstens 6.613,20 Euro Einkünfte und 55.000 Euro Umsatz), die Unfallversicherung bleibt. Ob Sie die Ausnahme nutzen können, hängt auch von Alter und früheren Versicherungszeiten ab. Als Neue Selbständige sind Sie 2026 erst ab Einkünften über 6.613,20 Euro versichert.
Privatverkauf
Liegt zwischen Kauf und Verkauf höchstens ein Jahr, ist der Gewinn ein Spekulationsgeschäft. Er bleibt steuerfrei, solange alle Spekulationseinkünfte im Kalenderjahr zusammen 440 Euro nicht übersteigen (§ 31 EStG).
Gelegentliche Leistungen
Einkünfte aus Leistungen, etwa gelegentlichen Vermittlungen oder der Vermietung beweglicher Gegenstände, sind nicht steuerpflichtig, wenn sie im Kalenderjahr höchstens 220 Euro betragen (§ 29 Z 3 EStG).
Neben dem Gehalt
Liegen Ihre Nebeneinkünfte über 730 Euro im Jahr, müssen Sie eine Veranlagung abgeben. Das ist eine Steuerregel und sagt nichts darüber, ob Sie ein Gewerbe brauchen.

Deutschland

Gewerbe
Gewerbebetrieb ist eine selbständige, nachhaltige Tätigkeit mit Gewinnabsicht und Teilnahme am allgemeinen wirtschaftlichen Verkehr, die kein freier Beruf und keine Land- und Forstwirtschaft ist (§ 15 Abs. 2 EStG). Wer ein stehendes Gewerbe beginnt, zeigt das gleichzeitig der Behörde an (§ 14 GewO).
Freiberuf
Wissenschaftliche, künstlerische, schriftstellerische, unterrichtende und erzieherische Tätigkeiten sowie die Katalogberufe in § 18 EStG sind freiberuflich. Auch ohne Gewerbeanmeldung melden Sie die Tätigkeit innerhalb eines Monats beim Finanzamt an (§ 138 AO).
Privatverkauf
Gegenstände des täglichen Gebrauchs sind ausgenommen. Bei anderen Gegenständen ist ein Gewinn steuerpflichtig, wenn zwischen Kauf und Verkauf höchstens ein Jahr liegt, außer der Gesamtgewinn im Jahr liegt unter 1.000 Euro (§ 23 EStG).
Gelegentliche Leistungen
Einkünfte aus gelegentlichen Vermittlungen oder der Vermietung beweglicher Gegenstände sind nicht einkommensteuerpflichtig, wenn sie weniger als 256 Euro im Jahr betragen (§ 22 Nr. 3 EStG).
Neben dem Gehalt
Liegen Ihre Nebeneinkünfte über 410 Euro im Jahr, müssen Sie eine Steuererklärung abgeben. Auch das ist eine Steuerregel, keine Gewerbegrenze.
Stand Oktober 2026 für Deutschland. Quellen: § 15 EStG, § 14 GewO, § 18 EStG, § 23 EStG, § 22 EStG, § 46 EStG

Schweiz

Keine Gewerbeanmeldung
Eine Gewerbeanmeldung wie in Österreich oder Deutschland gibt es nicht. Liegt der Reingewinn aus dem Nebenerwerb über CHF 2.500 im Jahr, melden Sie sich bei einer AHV-Ausgleichskasse als selbständigerwerbend an. Ob Sie als selbständig gelten, beurteilt die Ausgleichskasse.
Selbständig oder Hobby
Steuerlich zählen unter anderem eigenes Risiko, Einsatz von Arbeit und Kapital und Gewinnabsicht. Fehlt jeder gewerbliche Charakter, liegt Liebhaberei vor: Verluste sind nicht abziehbar, Gewinne nicht steuerbar.
Steuer
Einkommen aus selbständiger Nebentätigkeit geben Sie in der Steuererklärung an, abzüglich der geschäftlich begründeten Kosten. Steuersätze und Abzüge unterscheiden sich je nach Kanton.
Mehrwertsteuer
MWST-pflichtig werden Sie erst ab einem weltweiten Jahresumsatz von CHF 100.000.

Passt das zu Ihnen?

Gute Wahl, wenn Sie
  • mit einer kleinen Tätigkeit starten und wissen wollen, ob Sie eine Anmeldung brauchen
  • gelegentlich Privates verkaufen oder vermitteln
  • kreativ, schreibend oder unterrichtend tätig werden wollen
Eher nichts, wenn Sie
  • regelmäßig Waren einkaufen und weiterverkaufen wollen
  • mit Affiliate-Links oder bezahlter Werbung verdienen wollen
  • eine Anmeldung umgehen wollen, obwohl die Tätigkeit gewerblich ist

Häufige Fragen

Wie viel darf ich ohne Gewerbe verdienen?

Eine feste Summe gibt es nicht. Ob Sie ein Gewerbe brauchen, hängt davon ab, was Sie tun und ob Sie es regelmäßig mit Gewinnabsicht tun, nicht vom Betrag. Grenzen wie 730 Euro in Österreich oder 410 Euro in Deutschland betreffen nur die Steuererklärung.

Ist Geld verdienen ohne Gewerbe legal?

Ja, wenn Ihre Tätigkeit tatsächlich kein Gewerbe ist, etwa als Neue Selbständige in Österreich, als Freiberufler in Deutschland oder beim gelegentlichen Privatverkauf. Illegal wird es, wenn eine gewerbliche Tätigkeit ohne Anmeldung läuft. Die Einordnung hängt von der Tätigkeit ab, nicht vom Betrag.

Brauche ich ein Gewerbe, wenn ich nur ab und zu etwas verkaufe?

Gelegentliche Verkäufe aus dem eigenen Haushalt sind in der Regel privat. Kaufen Sie dagegen gezielt ein, um weiterzuverkaufen, oder verkaufen Sie regelmäßig, wird es gewerblich. Die Details stehen im Ratgeber zum Verkauf gebrauchter Sachen.

Bin ich als Neue Selbständige in Österreich wirklich ohne Gewerbeschein unterwegs?

Ja, Neue Selbständige brauchen keine Gewerbeberechtigung, etwa bei Einnahmen aus Webinaren, Abos, Klicks und Aufrufen. Sie sind trotzdem einkommensteuerpflichtig und ab Einkünften über 6.613,20 Euro im Jahr 2026 bei der SVS versichert. Ob Ihre Tätigkeit dazugehört, klärt das Gründerservice der WKO.

Brauchen Freiberufler in Deutschland ein Gewerbe?

Freiberufliche Tätigkeiten sind steuerlich kein Gewerbebetrieb, eine Gewerbeanmeldung ist dafür in der Regel nicht nötig. Beim Finanzamt melden Sie die Tätigkeit trotzdem innerhalb eines Monats an. Ob Ihre Tätigkeit freiberuflich ist, entscheidet am Ende das Finanzamt.

Was ist der Unterschied zwischen Freigrenze und Freibetrag?

Ein Freibetrag bleibt immer steuerfrei, nur der Teil darüber wird besteuert. Bei einer Freigrenze wird der ganze Betrag steuerpflichtig, sobald die Grenze überschritten ist, in Deutschland schon, wenn sie erreicht ist. Die 256 und 1.000 Euro in Deutschland (steuerfrei nur darunter) sowie die 220 und 440 Euro in Österreich (steuerfrei bis einschließlich) sind Freigrenzen.

Ist ein Hobby steuerpflichtig, wenn ich damit etwas verdiene?

Das hängt davon ab, ob Sie mit Gewinnabsicht handeln. Fehlt sie, spricht man von Liebhaberei: Verluste sind dann nicht abziehbar, in der Schweiz sind auch Gewinne nicht steuerbar. Wer dauerhaft Gewinne erzielt und am Markt auftritt, ist in der Regel selbständig tätig.

Muss ich in der Schweiz ein Gewerbe anmelden?

Nein, eine Gewerbeanmeldung gibt es in der Schweiz nicht. Liegt der Reingewinn aus dem Nebenerwerb über CHF 2.500 im Jahr, melden Sie sich aber bei einer AHV-Ausgleichskasse an. Ob Sie als selbständig gelten, entscheidet die Ausgleichskasse.

Was passiert, wenn ich ein Gewerbe nicht anmelde?

Das Finanzamt kann eine Tätigkeit auch ohne Anmeldung als gewerblich einstufen und Steuern nachfordern. In Österreich kann zusätzlich die SVS Beiträge nachträglich vorschreiben. Melden Sie im Zweifel lieber an, als nachträglich zu korrigieren, und lassen Sie sich von WKO, IHK oder Gewerbeamt beraten.

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Mathias Galler

Gründer von Finanzbaron, lebt in Graz. Schreibt hier, wie man online Geld verdient und was dabei in Österreich, Deutschland und der Schweiz gilt.

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