Neben einer Anstellung bleiben Sie in allen drei Ländern über den Job krankenversichert. In Österreich kommt mit Gewerbeschein oder über der Versicherungsgrenze eine zweite Pflichtversicherung bei der SVS dazu. In Deutschland ändert sich bei nebenberuflicher Selbständigkeit meist nichts, in der Schweiz hängt die Grundversicherung ohnehin nicht vom Erwerb ab.
- Neben einer Anstellung bleiben Sie in AT, DE und CH über den Job krankenversichert, offen ist nur eine zweite Versicherung.
- AT: Die SVS kommt mit Gewerbeschein ab dem ersten Euro dazu, als Neue Selbständige über 6.613,20 Euro Einkünften.
- In AT deckelt die Höchstbeitragsgrundlage 2026 alle Beiträge bei 97.020 Euro im Jahr, die SVS verrechnet dann nur die Differenz.
- DE: Wer über 20 Stunden angestellt ist und mehr als 1.977,50 Euro verdient, bleibt nebenberuflich ohne Zusatzbeiträge versichert.
- Hauptrisiken sind die Familienversicherung über 565 Euro im Monat (DE) und in CH eine Lücke bei der Unfalldeckung.
Krankenversicherung nebenberuflich selbständig: worum es geht
Wer nebenberuflich selbständig wird, fragt sich als Erstes, was mit der Krankenversicherung passiert. Die gute Nachricht: Neben einer Anstellung bleiben Sie in Österreich, Deutschland und der Schweiz über den Job krankenversichert. Die Unterschiede liegen darin, ob eine zweite Versicherung dazukommt und ob Sie dafür zahlen.
In Österreich kann eine zweite Pflichtversicherung bei der SVS entstehen, mit eigenen Beiträgen. In Deutschland ändert sich bei einer echten Nebentätigkeit meist nichts. Kritisch wird es erst, wenn die Selbständigkeit als hauptberuflich gilt oder Sie über Eltern oder Partner familienversichert sind. In der Schweiz ist die Grundversicherung ohnehin an den Wohnsitz gebunden, nicht an den Erwerb. Dort ist eher die Unfallversicherung das Thema.
Dieser Ratgeber erklärt die Regeln je Land, zeigt typische Sonderfälle und rechnet an Beispielen nach. Weil sich bei Fehlern Beiträge rückwirkend summieren können, gilt für alle drei Länder: Klären Sie Ihre Situation vor dem Start mit der SVS, Ihrer Krankenkasse oder Ihrem Krankenversicherer.
Österreich: Mehrfachversicherung bei Gesundheitskasse und SVS
In Österreich kann eine selbständige Nebentätigkeit eine zweite Krankenversicherung auslösen. Ob das passiert, hängt von Ihrem Status ab.
Mit Gewerbeschein sind Sie nach GSVG grundsätzlich ab dem ersten Euro bei der SVS versichert. Auf Antrag gibt es die Kleinunternehmerausnahme (2026: höchstens 6.613,20 Euro Einkünfte und 55.000 Euro Umsatz), die Unfallversicherung bleibt. Ob Sie die Ausnahme nutzen können, hängt auch von Alter und früheren Versicherungszeiten ab. Als Neue Selbständige sind Sie 2026 erst ab Einkünften über 6.613,20 Euro versichert.
Was Mehrfachversicherung bedeutet
Sind Sie angestellt und zusätzlich bei der SVS pflichtversichert, sind Sie laut SVS nach dem ASVG und nach dem GSVG krankenversichert. Das hat Vorteile: Bei jedem Versicherungsfall können Sie wählen, aus welcher Krankenversicherung Sie Leistungen in Anspruch nehmen. Einige Geldleistungen wie Krankengeld oder Wochengeld können Sie grundsätzlich aus jeder Versicherung beziehen.
Eine Besonderheit gibt es laut SVS: Durch den Eintritt der Mehrfachversicherung geht eine zuvor bestehende Geldleistungsberechtigung im GSVG verloren. Sie können dafür einen Optionsantrag stellen. Fragen Sie bei der SVS nach, wenn Ihnen das Krankengeld aus der Selbständigkeit wichtig ist.
Was es kostet
Die Krankenversicherung nach GSVG kostet 6,8 Prozent der Beitragsgrundlage, dazu kommen Pensionsversicherung mit 18,5 Prozent, Selbständigenvorsorge mit 1,53 Prozent und der Fixbetrag für die Unfallversicherung. Die Beitragsgrundlage berechnet die SVS für jede Versicherung einzeln, ausgehend von den Einkünften aus der versicherten Tätigkeit.
Zwei Regeln helfen Angestellten:
- Mindestbeitragsgrundlage kann unterschritten werden. Sonst gilt im GSVG eine Mindestbeitragsgrundlage von 551,10 Euro im Monat. Bei Mehrfachversicherung mit dem ASVG darf sie laut SVS unterschritten werden. Erreicht Ihre ASVG-Beitragsgrundlage bereits die GSVG-Mindestbeitragsgrundlage und machen Sie Verlust oder werden steuerlich nicht veranlagt, zahlen Sie keine GSVG-Beiträge.
- Höchstbeitragsgrundlage deckelt alles. Die Beiträge sind insgesamt begrenzt: 8.085 Euro mal Anzahl der Pflichtversicherungsmonate, bei einem vollen Jahr 2026 also 97.020 Euro.
Rechenbeispiel Differenzbeitragsvorschreibung
Ein Beispiel mit angenommenen Werten: Ihre ASVG-Beitragsgrundlage aus der Anstellung beträgt 85.000 Euro im Jahr, die GSVG-Beitragsgrundlage aus der Selbständigkeit 20.000 Euro. Zusammen sind das 105.000 Euro, also mehr als die Höchstbeitragsgrundlage von 97.020 Euro.
Die SVS rechnet dann: 97.020 minus 85.000 ergibt 12.020 Euro. Nur auf diesen Betrag schreibt sie Beiträge vor. In der Krankenversicherung sind das 817,36 Euro statt 1.360 Euro, in der Pensionsversicherung 2.223,70 Euro statt 3.700 Euro. Auch die Selbständigenvorsorge richtet sich bei einer zusätzlichen Anstellung nach der Differenzbeitragsgrundlage.
Diese Differenzbeitragsvorschreibung veranlasst die SVS laut eigenen Angaben automatisch, schon im laufenden Jahr und noch einmal, sobald alle Beitragsgrundlagen feststehen. Dabei kann es noch zu Nachforderungen oder Rückzahlungen kommen. Ist ausnahmsweise keine Differenzvorschreibung möglich, erstattet die SVS zu viel bezahlte Beiträge bis zum 30. Juni des Folgejahres. Bei einer Rückzahlung übermittelt sie einen Lohnzettel an das Finanzamt.
Unter der Grenze: Kleinunternehmerausnahme und Opting-in
Bleiben Sie unter den Grenzen, haben Sie zwei Möglichkeiten. Mit Gewerbeschein können Sie die Kleinunternehmerausnahme beantragen. Sie nimmt Sie von der Kranken- und Pensionsversicherung nach dem GSVG aus, der Unfallversicherungsschutz bleibt. Die SVS prüft im Nachhinein anhand der Steuerbescheide, ob die Grenzen eingehalten wurden. Ist das nicht der Fall, fällt die Ausnahme rückwirkend weg.
Als Neue Selbständige unter der Versicherungsgrenze sind Sie gar nicht bei der SVS versichert. Wünschen Sie trotzdem Schutz, können Sie das Opting-in beantragen. Es umfasst die Krankenversicherung nach GSVG und die Unfallversicherung nach ASVG und beginnt mit dem Tag, an dem der Antrag bei der SVS einlangt. Für Angestellte ist das meist nicht nötig, weil sie über den Job schon versichert sind.
Deutschland: haupt- oder nebenberuflich entscheidet
In Deutschland entscheidet eine einzige Frage über die Krankenversicherung: Ist die Selbständigkeit haupt- oder nebenberuflich?
Sind Sie mehr als 20 Stunden pro Woche angestellt und verdienen dort mehr als die Hälfte der Bezugsgröße (2026: 1.977,50 Euro im Monat), gilt die Selbständigkeit in der Regel als nebenberuflich. Dann bleiben Sie über die Anstellung pflichtversichert. Für Beschäftigte zählen in der Krankenversicherung nur Arbeitsentgelt, Renten und Versorgungsbezüge. Arbeitseinkommen aus Selbständigkeit wird nur neben einer Rente oder Versorgungsbezügen herangezogen (§ 226 SGB V). Ihr Nebengewinn kostet also keine zusätzlichen Kassenbeiträge.
Wie die Krankenkasse Hauptberuflichkeit prüft
Wer hauptberuflich selbständig ist, ist nicht als Arbeitnehmer versicherungspflichtig (§ 5 Abs. 5 SGB V). Wer im Zusammenhang mit der Selbständigkeit regelmäßig mindestens einen Arbeitnehmer mehr als geringfügig beschäftigt, gilt nach dem Gesetz vermutlich als hauptberuflich selbständig.
Für alle anderen Fälle nutzen die Kassen die Grundsätzlichen Hinweise des GKV-Spitzenverbands. Sind Sie mehr als 20 Stunden pro Woche angestellt und verdienen mehr als die Hälfte der monatlichen Bezugsgröße, 2026 also mehr als 1.977,50 Euro, bleibt laut diesen Hinweisen kein Raum für eine hauptberufliche Selbständigkeit. Umgekehrt gilt: Sind Sie höchstens 20 Stunden pro Woche angestellt und verdienen dort höchstens die Hälfte der Bezugsgröße, nehmen die Hinweise in der Regel eine hauptberufliche Selbständigkeit an. Die 20 Stunden sind ein Indiz, keine feste Grenze. Ohne Anstellung gelten folgende Richtwerte:
| Zeitaufwand für die Selbständigkeit | Hauptberuflich, wenn das Arbeitseinkommen in der Regel | 2026 entspricht das monatlich |
|---|---|---|
| mehr als 30 Stunden pro Woche | mehr als 25 Prozent der Bezugsgröße beträgt | mehr als 988,75 Euro |
| mehr als 20 bis 30 Stunden | mehr als 50 Prozent der Bezugsgröße beträgt | mehr als 1.977,50 Euro |
| bis 20 Stunden | mehr als 75 Prozent beträgt und Hauptquelle des Lebensunterhalts ist | mehr als 2.966,25 Euro |
Die Bezugsgröße beträgt 2026 bundeseinheitlich 3.955 Euro im Monat. Am Ende entscheidet die Krankenkasse im Einzelfall.
Wenn die Selbständigkeit hauptberuflich wird
Gilt die Selbständigkeit als hauptberuflich, müssen Sie sich selbst versichern, gesetzlich freiwillig oder privat. In der gesetzlichen Krankenversicherung zahlen Sie den allgemeinen Beitragssatz von 14,6 Prozent oder ohne Krankengeldanspruch den ermäßigten Satz von 14,0 Prozent, dazu den Zusatzbeitrag Ihrer Kasse. Der durchschnittliche Zusatzbeitragssatz liegt 2026 bei 2,9 Prozent.
Ein Rechenbeispiel mit dem Mindestwert: Die Mindestbemessungsgrundlage für freiwillig versicherte Selbständige beträgt 2026 1.318,33 Euro im Monat. Mit 14,6 Prozent und 2,9 Prozent Zusatzbeitrag ergeben sich 230,71 Euro im Monat, mit dem ermäßigten Satz 222,80 Euro. Die Pflegeversicherung kommt dazu.
Familienversicherung und Studium
Für Familienversicherte ist die Nebentätigkeit heikler. Nach § 10 SGB V endet die Familienversicherung, wenn Sie hauptberuflich selbständig sind oder Ihr Gesamteinkommen regelmäßig im Monat ein Siebtel der Bezugsgröße übersteigt. Das sind 2026 565 Euro im Monat, bei einem Minijob 603 Euro. Bei Selbständigen zählt in der Regel der Gewinn, nicht der Umsatz. Kinder in Schul- oder Berufsausbildung sind in der Regel bis zum 25. Geburtstag familienversichert.
Für Studierende hängt es laut TK von der Höhe des Einkommens, den Wochenstunden und davon ab, ob Sie Arbeitnehmer beschäftigen, ob Sie mit einer Selbständigkeit in der studentischen Versicherung bleiben. Welche Zuverdienstgrenzen im Studium sonst gelten, fasst der Ratgeber Geld verdienen als Student zusammen. Melden Sie eine geplante Selbständigkeit vor Aufnahme der Tätigkeit Ihrer Krankenkasse, sonst drohen Nachforderungen.
Schweiz: Grundversicherung unabhängig vom Erwerb
In der Schweiz ändert eine Nebentätigkeit an der Grundversicherung nichts. Sie hängt am Wohnsitz, nicht am Erwerb.
Jede Person mit Wohnsitz in der Schweiz muss sich laut BAG innerhalb von drei Monaten ab Wohnsitznahme oder Geburt versichern. Die Prämien hängen nicht vom Einkommen ab, sondern variieren nach Krankenkasse und Kanton. Ein Nebenverdienst macht die Prämie also weder teurer noch billiger. Personen in bescheidenen wirtschaftlichen Verhältnissen haben Anspruch auf eine Prämienverbilligung, zuständig ist der Kanton. Ob ein höheres Einkommen eine bestehende Verbilligung verringert, klären Sie bei dieser Stelle. Die ordentliche Franchise beträgt CHF 300, der Selbstbehalt 10 Prozent bis höchstens CHF 700 im Jahr.
Unfallversicherung: das eigentliche Thema
Wichtiger ist in der Schweiz die Unfallversicherung. Alle in der Schweiz beschäftigten Personen sind nach UVG obligatorisch gegen Berufsunfälle versichert. Arbeiten Sie mindestens 8 Stunden pro Woche beim selben Arbeitgeber, sind auch Nichtberufsunfälle versichert. Dann können Sie die Unfalldeckung in der Krankenversicherung ausschließen und sparen Prämie. Wie weit dieser Schutz bei Unfällen in Ihrer Nebentätigkeit reicht, klären Sie mit dem Unfallversicherer Ihres Arbeitgebers.
Wer keine obligatorische UVG-Versicherung hat, muss sich laut BAG über die Krankenversicherung gegen Unfälle versichern. Das betrifft auch Selbständige ohne Anstellung. In der Schweiz wohnhafte Selbständigerwerbende können sich zusätzlich freiwillig nach UVG versichern. Bisher liegt der versicherte Verdienst dafür bei mindestens 45 Prozent des Höchstbetrags. Der Bundesrat hat am 26. August 2026 beschlossen, die Schwelle ab 1. Januar 2027 auf 30 Prozent zu senken, also von CHF 66.690 auf CHF 44.460 im Jahr.
Eine Krankentaggeldversicherung ist freiwillig. Abschließen kann sie, wer in der Schweiz wohnt oder arbeitet und zwischen 15 und 65 Jahre alt ist (Art. 67 KVG). Für Selbständige ist das der Schutz gegen Einkommensausfall bei Krankheit.
Vergleich auf einen Blick
Die Tabelle zeigt, was sich durch eine selbständige Nebentätigkeit neben einer Anstellung ändert.
| Frage | Österreich | Deutschland | Schweiz |
|---|---|---|---|
| Bleibe ich über den Job versichert? | Ja | Ja, wenn nebenberuflich | Ja, Grundversicherung unabhängig vom Job |
| Kommt eine zweite Versicherung dazu? | Ja, SVS mit Gewerbe oder über 6.613,20 Euro | Nein | Nein |
| Zusätzliche Beiträge? | Ja, gedeckelt bei 97.020 Euro | Nein | Nein, Prämie einkommensunabhängig |
| Größtes Risiko | Nachbemessung durch die SVS | Einstufung als hauptberuflich | Lücke bei der Unfalldeckung |
Schritt für Schritt vor dem Start
So klären Sie die Krankenversicherung, bevor die erste Rechnung rausgeht.
- Status klären. Gewerbe, Neue Selbständige, Freiberuf oder Hobby: Davon hängt in Österreich ab, ob die SVS zuständig wird. Hilfe bietet der Ratgeber Geld verdienen ohne Gewerbe.
- Gewinn realistisch schätzen. Die SVS braucht eine Prognose, die Krankenkasse in Deutschland bei Familienversicherten ebenso.
- Zuständige Stelle informieren. In Österreich melden Sie sich bei der SVS, in Deutschland bei Ihrer Krankenkasse. In der Schweiz prüfen Sie Ihre Unfalldeckung bei Krankenkasse und Arbeitgeber.
- Arbeitszeit im Blick behalten. In Deutschland sind die Wochenstunden ein wichtiges Indiz. Zur Höchstarbeitszeit und zum Arbeitsvertrag lesen Sie mehr unter Nebenjob neben Vollzeit.
- Rücklage bilden. Die SVS rechnet endgültig erst nach dem Einkommensteuerbescheid ab, Nachzahlungen kommen deshalb oft spät. Was nach Steuer und Beiträgen bleibt, zeigt der Ratgeber Nebenverdienst netto.
- Änderungen sofort melden. Wächst die Selbständigkeit, ändern sich Stunden oder Einkommen, informieren Sie die Stelle erneut.
Steuer und Anmeldung
Die Krankenversicherung ist nur ein Teil der Anmeldung. Auch Finanzamt und Gewerbe müssen geklärt sein.
In Deutschland melden Sie eine selbständige Tätigkeit innerhalb eines Monats beim Finanzamt an (§ 138 AO). In Österreich klären Sie, ob Sie einen Gewerbeschein brauchen, in der Schweiz gilt über CHF 2.500 Reingewinn aus dem Nebenerwerb die AHV-Anmeldung. Wie Sie als Selbständige oder Selbständiger starten, beschreibt der Ratgeber Freelancer werden. Die Grenzwerte je Land stehen weiter unten in der Länder-Übersicht, die Kurzantworten zu allen Pflichten in den Grundlagen zu Steuer und Sozialversicherung.
Häufige Irrtümer
Bei der Krankenversicherung führen einige Annahmen regelmäßig zu Nachzahlungen.
- „Ich bin ja schon über den Job versichert, die SVS betrifft mich nicht.“ Mit Gewerbeschein sind Sie in Österreich trotzdem ab dem ersten Euro SVS-pflichtig, außer Sie beantragen die Kleinunternehmerausnahme.
- „Die Kleinunternehmerausnahme gilt automatisch.“ Sie gilt nur auf Antrag und frühestens ab 1. Jänner des Jahres, in dem der Antrag einlangt. Für Vorjahre ist sie nicht möglich.
- „Unter 20 Stunden bin ich automatisch nebenberuflich.“ Die Stunden sind nur ein Indiz. Beschäftigen Sie Mitarbeiter oder ist das Einkommen hoch, kann die Kasse anders entscheiden.
- „Familienversichert bleibe ich, solange ich kein Gewerbe habe.“ Entscheidend sind Einkommen und Hauptberuflichkeit, nicht die Gewerbeanmeldung.
- „In der Schweiz zahle ich wegen des Nebenverdiensts mehr Prämie.“ Die Prämie hängt nicht vom Einkommen ab.
- „Als Selbständiger bin ich in der Schweiz gegen Unfälle versichert.“ Nicht automatisch. Ohne Anstellung braucht es die Unfalldeckung in der Krankenversicherung oder eine freiwillige UVG-Versicherung.
Fazit
Neben einer Anstellung bleiben Sie in allen drei Ländern krankenversichert. In Österreich kann die Nebentätigkeit eine zweite Pflichtversicherung bei der SVS auslösen, deren Beiträge durch die Höchstbeitragsgrundlage gedeckelt sind. In Deutschland ändert sich meist nichts, solange die Selbständigkeit nebenberuflich bleibt. Vorsicht gilt bei Familienversicherung und Studium. In der Schweiz bleibt die Grundversicherung, wichtig ist die Unfalldeckung. Klären Sie Ihre Situation vor dem Start bei SVS, Krankenkasse oder Krankenversicherer und melden Sie Änderungen sofort.
Länder-Übersicht: Steuer und Anmeldung in Ihrem Land
Österreich
- Wann SVS
- Mit Gewerbeschein sind Sie nach GSVG grundsätzlich ab dem ersten Euro bei der SVS versichert. Auf Antrag gibt es die Kleinunternehmerausnahme (2026: höchstens 6.613,20 Euro Einkünfte und 55.000 Euro Umsatz), die Unfallversicherung bleibt. Ob Sie die Ausnahme nutzen können, hängt auch von Alter und früheren Versicherungszeiten ab. Als Neue Selbständige sind Sie 2026 erst ab Einkünften über 6.613,20 Euro versichert.
- Mehrfachversicherung
- Sind Sie angestellt und zusätzlich bei der SVS versichert, sind Sie nach ASVG und GSVG krankenversichert. Bei jedem Versicherungsfall wählen Sie, aus welcher Versicherung Sie Leistungen beziehen.
- Beitrag
- Die Krankenversicherung nach GSVG kostet 6,8 Prozent der Beitragsgrundlage. Bei Mehrfachversicherung mit dem ASVG darf die GSVG-Mindestbeitragsgrundlage von 551,10 Euro im Monat unterschritten werden.
- Höchstbeitragsgrundlage
- Beiträge sind insgesamt mit 8.085 Euro pro Versicherungsmonat begrenzt, 97.020 Euro im Jahr 2026. Droht eine Überschreitung, schreibt die SVS automatisch nur die Differenz vor.
- Opting-in
- Neue Selbständige unter der Versicherungsgrenze können auf Antrag Kranken- und Unfallversicherung abschließen. Der Schutz beginnt mit dem Tag, an dem der Antrag bei der SVS einlangt.
Deutschland
- Nebenberuflich
- Sind Sie mehr als 20 Stunden pro Woche angestellt und verdienen dort mehr als die Hälfte der Bezugsgröße (2026: 1.977,50 Euro im Monat), gilt die Selbständigkeit in der Regel als nebenberuflich. Sie bleiben über die Anstellung versichert, Beiträge zahlen Sie nur auf das Arbeitsentgelt.
- Hauptberuflich
- Wer hauptberuflich selbständig ist, ist nicht als Arbeitnehmer pflichtversichert (§ 5 Abs. 5 SGB V). Beschäftigen Sie regelmäßig mindestens einen Arbeitnehmer mehr als geringfügig, wird Hauptberuflichkeit vermutet.
- Freiwillig versichert
- Allgemeiner Beitragssatz 14,6 Prozent, ohne Krankengeldanspruch 14,0 Prozent, dazu der Zusatzbeitrag Ihrer Kasse (Durchschnitt 2026: 2,9 Prozent). Mindestbemessungsgrundlage für Selbständige 2026: 1.318,33 Euro im Monat.
- Familienversicherung
- Sie endet, wenn Sie hauptberuflich selbständig sind oder Ihr Gesamteinkommen regelmäßig ein Siebtel der Bezugsgröße übersteigt, 2026 also 565 Euro im Monat, mit Minijob 603 Euro (§ 10 SGB V).
Schweiz
- Grundversicherung
- Wer in der Schweiz wohnt, muss sich innerhalb von drei Monaten ab Wohnsitznahme oder Geburt versichern, unabhängig von der Erwerbstätigkeit. Die Prämien hängen nicht vom Einkommen ab, sondern von Kasse und Kanton.
- Prämienverbilligung
- Personen in bescheidenen wirtschaftlichen Verhältnissen haben Anspruch auf eine Verbilligung. Zuständig ist die Stelle Ihres Kantons.
- Unfall
- Arbeitnehmende mit mindestens 8 Stunden pro Woche beim selben Arbeitgeber sind über den Arbeitgeber auch gegen Nichtberufsunfälle versichert und können die Unfalldeckung der Krankenkasse ausschließen. Wer keine obligatorische UVG-Versicherung hat, deckt Unfälle über die Krankenversicherung.
- Freiwillige UVG
- In der Schweiz wohnhafte Selbständigerwerbende können sich freiwillig nach UVG versichern. Der Bundesrat hat am 26. August 2026 beschlossen, die Eintrittsschwelle ab 1. Januar 2027 von CHF 66.690 auf CHF 44.460 versicherten Verdienst zu senken.
- Taggeld
- Eine Krankentaggeldversicherung ist freiwillig. Abschließen kann sie, wer in der Schweiz wohnt oder arbeitet und zwischen 15 und 65 Jahre alt ist (Art. 67 KVG).
Passt das zu Ihnen?
- neben einer Anstellung selbständig starten wollen
- über Eltern oder Partner familienversichert sind und etwas dazuverdienen
- wissen wollen, ab wann Beiträge an eine zweite Stelle fällig werden
- eine Beratung zu privaten Zusatzversicherungen suchen
- bereits hauptberuflich selbständig und versichert sind
- Fragen zu Arbeitslosengeld oder Pension klären wollen
Häufige Fragen
Muss ich mich als nebenberuflich Selbständiger extra krankenversichern?
In Deutschland meist nicht: Sind Sie mehr als 20 Stunden pro Woche angestellt und verdienen dort mehr als die Hälfte der Bezugsgröße (2026: 1.977,50 Euro im Monat), bleiben Sie über den Job versichert. In Österreich kommt mit Gewerbeschein oder über der Versicherungsgrenze automatisch eine zweite Pflichtversicherung bei der SVS dazu. In der Schweiz sind Sie über die Grundversicherung ohnehin versichert.
Zahle ich in Österreich doppelt Krankenversicherung, wenn ich angestellt und selbständig bin?
Ja, Sie zahlen an die Gesundheitskasse und an die SVS, jeweils auf die eigene Beitragsgrundlage. Dafür können Sie bei jedem Versicherungsfall wählen, welche Versicherung leistet. Insgesamt sind die Beiträge mit der Höchstbeitragsgrundlage von 97.020 Euro im Jahr 2026 gedeckelt.
Was ist die Differenzbeitragsvorschreibung der SVS?
Liegen Gehalt und selbständiges Einkommen zusammen voraussichtlich über der Höchstbeitragsgrundlage, schreibt die SVS nur noch Beiträge auf die Differenz vor. Das passiert automatisch, ein Antrag ist laut SVS nicht nötig. Nach den endgültigen Bescheiden kann es noch zu Nachforderungen oder Rückzahlungen kommen.
Verliere ich die Familienversicherung, wenn ich mich nebenbei selbständig mache?
Nicht automatisch. Sie endet in Deutschland, wenn die Selbständigkeit hauptberuflich ist oder Ihr Gesamteinkommen regelmäßig über 565 Euro im Monat liegt, wobei in der Regel der Gewinn zählt. Melden Sie die Tätigkeit vor dem Start Ihrer Krankenkasse, damit keine Beiträge nachgefordert werden.
Ab wie vielen Stunden gilt die Selbständigkeit als hauptberuflich?
Eine feste Stundengrenze steht nicht im Gesetz, die Krankenkassen nutzen aber Richtwerte des GKV-Spitzenverbands. Ohne Anstellung gilt bis 20 Stunden pro Woche die Selbständigkeit in der Regel nicht als hauptberuflich, außer das Einkommen ist sehr hoch und die Hauptquelle des Lebensunterhalts. Die Kasse entscheidet im Einzelfall.
Bleibe ich als Student versichert, wenn ich nebenbei selbständig arbeite?
Häufig ja. Laut TK hängt das von der Höhe Ihres Einkommens, den Wochenstunden und davon ab, ob Sie Arbeitnehmer beschäftigen. Klären Sie das vor dem Start mit Ihrer Krankenkasse.
Was kostet die Krankenversicherung, wenn ich hauptberuflich selbständig werde?
In der gesetzlichen Krankenversicherung zahlen Sie den vollen Beitrag selbst, mindestens auf 1.318,33 Euro im Monat (2026). Mit 14,6 Prozent und dem durchschnittlichen Zusatzbeitrag von 2,9 Prozent sind das rund 231 Euro im Monat, dazu kommt die Pflegeversicherung. Ab dem Wechsel in die Hauptberuflichkeit gilt dieser Weg auch für bisher Familienversicherte.
Brauche ich in der Schweiz als Selbständiger eine Unfallversicherung?
Ohne obligatorische Versicherung über einen Arbeitgeber müssen Sie Unfälle über die Krankenversicherung decken. Zusätzlich können sich in der Schweiz wohnhafte Selbständigerwerbende freiwillig nach UVG versichern, ab 1. Januar 2027 mit tieferer Eintrittsschwelle. Sind Sie mindestens 8 Stunden pro Woche angestellt, besteht über den Arbeitgeber bereits Schutz gegen Nichtberufsunfälle.
Hängt die Krankenkassenprämie in der Schweiz vom Einkommen ab?
Nein, die Prämie der Grundversicherung richtet sich nach Kasse, Kanton und Franchise, nicht nach dem Einkommen. Ein Nebenverdienst ändert sie deshalb nicht. Bei bescheidenem Einkommen können Sie beim Kanton eine Prämienverbilligung beantragen, die je nach Kanton vom Einkommen abhängt.
- SVS: Aktuelle Werte 2026
- SVS: Mehrfachversicherung in der Krankenversicherung
- WKO Vorarlberg: Infoblatt Sozialversicherung 2026
- Dachverband: Beitragsrechtliche Werte 2026
- SVS: Opting-In in der Krankenversicherung
- SVS: Einkünfte unter der Versicherungsgrenze
- SVS: Kleinunternehmer
- SVS: Selbständigenvorsorge
- § 5 SGB V
- § 10 SGB V
- § 226 SGB V
- GKV-Spitzenverband: Hinweise zur hauptberuflich selbständigen Erwerbstätigkeit
- DRV Knappschaft-Bahn-See: Sozialversicherungsrechengrößen 2026
- Bundesgesundheitsministerium: Beiträge
- TK: Familienversicherung und Beschäftigung im Studium
- BAG: Versicherungspflicht für in der Schweiz wohnhafte Versicherte
- BAG: Ratgeber obligatorische Krankenversicherung
- BAG: Sistierung der Unfalldeckung
- BAG: Unfallversicherung, wer ist obligatorisch versichert?
- BAG: Unfallversicherung, wer kann sich freiwillig versichern?
- Bundesrat: Unfallversicherung wird für Selbstständige leichter zugänglich
- Fedlex: Bundesgesetz über die Krankenversicherung (KVG)

Gründer von Finanzbaron, lebt in Graz. Schreibt hier, wie man online Geld verdient und was dabei in Österreich, Deutschland und der Schweiz gilt.
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