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Dropshipping: Was nach Werbung, Retouren und Zoll wirklich bleibt

Foto von Mathias GallerMathias GallerGeprüft am
Das Wichtigste in Kürze

Sie verkaufen Ware in Ihrem eigenen Onlineshop, der Lieferant verschickt sie direkt an Ihre Kunden. Ein Lager brauchen Sie nicht, die Verantwortung als Verkäufer tragen Sie trotzdem. Gewinn bleibt nur, wenn nach Einkauf, Gebühren, Werbung und Retouren noch etwas übrig ist.

  • Fixkosten zum Beispiel: Shopify Basic in Österreich laut Shopify 32 Euro pro Monat, bei jährlicher Zahlung 24 Euro, Kartenzahlungen über Shopify Payments 2 Prozent plus 0,25 Euro.
  • Im Rechenbeispiel bleiben von 39,90 Euro nach Umsatzsteuer und Retouren rund 4,28 Euro, bei 15 Euro Werbung ein Minus.
  • Gegenüber Kunden haften Sie, nicht der Lieferant: mindestens zwei Jahre Gewährleistung und in der EU 14 Tage Rücktrittsrecht.
  • Seit 1. Juli 2026 kostet Ware aus Drittstaaten pauschal 3 Euro Zoll je Warenkategorie, dazu kommt Einfuhrumsatzsteuer.
  • Länder: AT und DE Gewerbeanmeldung, DE zusätzlich LUCID und bei Elektrogeräten stiftung ear, CH ohne gesetzliches Widerrufsrecht.

So funktioniert Dropshipping

Beim Dropshipping verkaufen Sie Ware, die Sie nicht selbst lagern. Sie betreiben einen Onlineshop, etwa mit Shopify, und nehmen Bestellungen an. Der Lieferant, meist ein Hersteller oder Großhändler, verschickt die Ware dann direkt an Ihren Kunden. Sie bezahlen den Lieferanten erst, wenn eine Bestellung eingegangen ist.

Entscheidend ist die Rollenverteilung. Laut IHK Hochrhein-Bodensee schließt der Kunde den Kaufvertrag mit Ihnen als Shopbetreiber, nicht mit dem Versender. Retouren und Reklamationen liegen damit bei Ihnen. Ob Sie Ware an den Lieferanten zurückschicken können, hängt allein von Ihrer Vereinbarung mit ihm ab.

Shop und Lieferanten verbinden

Viele Dropshipper verbinden ihren Shop über eine App mit einem Großhandelsmarktplatz. Ein Beispiel ist DSers im Shopify App Store. Die App importiert Produkte von AliExpress, 1688 oder Alibaba in den Shop, gibt Bestellungen gesammelt an die Lieferanten weiter und überträgt die Sendungsnummern zurück. Der Tarif Basic ist kostenlos, Advanced kostet 19,90 US-Dollar und Pro 49,90 US-Dollar im Monat, jeweils mit 14 Tagen kostenlosem Test.

Die Technik ist schnell eingerichtet. Schwieriger sind die Fragen dahinter: Wie lange ist die Ware unterwegs, wer trägt Zoll und Einfuhrumsatzsteuer, und wer kümmert sich um defekte Produkte?

Was Sie mit Dropshipping realistisch verdienen

Was übrig bleibt, entscheiden vor allem Werbekosten und Retouren, nicht der Abstand zwischen Einkauf und Verkaufspreis. Ein festes Einkommen lässt sich daraus nicht ableiten. Diese Faktoren bestimmen Ihr Ergebnis:

  • Einkauf beim Lieferanten: Warenpreis plus Versand zum Kunden.
  • Shopify-Tarif: Laut Preisseite von Shopify für Österreich (Oktober 2026) kostet Basic 32 Euro pro Monat, bei jährlicher Zahlung 24 Euro pro Monat. Grow kostet 92 bzw. 69 Euro.
  • Zahlungsgebühren: Mit Shopify Payments zahlen Sie im Tarif Basic für Online-Kartenzahlungen 2 Prozent plus 0,25 Euro. Für Amex und internationale Karten sind es 3,5 Prozent plus 0,25 Euro, für Klarna 2,99 Prozent plus 0,35 Euro. Nutzen Sie einen anderen Zahlungsanbieter, berechnet Shopify im Tarif Basic zusätzlich 2 Prozent Transaktionsgebühr.
  • Werbung: Ein eigener Shop hat keine Laufkundschaft. Besucher kommen in der Regel über bezahlte Anzeigen, und die kosten bei jedem Verkauf mit.
  • Retouren: Erstattungen, nicht verkäufliche Rückläufer und Kundenservice.
  • Steuern und Abgaben: Umsatzsteuer, bei Ware aus Drittstaaten auch Zoll und Einfuhrumsatzsteuer.

Rechenbeispiel mit Shopify-Gebühren

Die folgenden Werte sind angenommen und dienen nur zur Veranschaulichung. Die Shopify-Werte stammen von der Preisseite für Österreich (Tarif Basic, jährliche Zahlung). Sie verkaufen ein Produkt für 39,90 Euro. Der Lieferant berechnet samt Versand 14,00 Euro. Für Werbung nehmen Sie 10,00 Euro je Verkauf an, und Sie erhalten 40 Bestellungen im Monat.

  • Verkaufspreis: 39,90 Euro
  • Einkauf beim Lieferanten: 14,00 Euro
  • Shopify Payments 2 Prozent plus 0,25 Euro: 1,05 Euro
  • Werbung je Verkauf (Annahme): 10,00 Euro
  • Anteil Tarif Basic (24 Euro geteilt durch 40 Bestellungen): 0,60 Euro
  • Ergebnis vor Umsatzsteuer und Retouren: 14,25 Euro

Davon geht noch einiges ab. Sind Sie umsatzsteuerpflichtig, stecken bei 20 Prozent rund 6,65 Euro Umsatzsteuer im Preis, das Ergebnis sinkt auf 7,60 Euro. Nehmen Sie zusätzlich an, dass jede zehnte Bestellung zurückgeht, die Ware nicht wieder verkäuflich ist und die Zahlungsgebühr nicht erstattet wird, bleiben im Schnitt rund 4,28 Euro je Bestellung. Steigen die Werbekosten auf 15,00 Euro je Verkauf, rutscht dasselbe Beispiel mit 0,73 Euro ins Minus.

Das zeigt: Ein Aufschlag auf fast das Dreifache des Einkaufs kann bei Dropshipping knapp werden. Der Margen-Rechner ist mit den Werten ohne Retouren und Steuer vorbelegt. Tragen Sie dort Ihre eigenen Zahlen ein.

Was Sie brauchen

Für den Start brauchen Sie wenig Kapital, aber viel Sorgfalt bei den Rechtstexten und Pflichten. Konkret:

  • Shop: Ein Shopsystem wie Shopify mit eigenem Tarif und Zahlungsanbieter.
  • Lieferanten: Verlässliche Lieferanten mit bekannten Lieferzeiten und klaren Regeln für Rücksendungen und Ersatz.
  • Rechtstexte: Impressum, AGB, Datenschutzerklärung, Widerrufsbelehrung und ein Muster-Widerrufsformular. Die IHK Hochrhein-Bodensee nennt AGB und Rechtstexte ausdrücklich als Pflichtaufgabe.
  • Rücklagen: Geld für Erstattungen, auch wenn der Lieferant nichts zurücknimmt. Auch dazu rät die IHK.
  • Werbebudget: Ohne Besucher keine Verkäufe. Legen Sie vorab fest, wie viel Sie pro Verkauf höchstens ausgeben.
  • Anmeldungen: Gewerbe, Steuer und gegebenenfalls Registrierungen für Verpackung und Elektrogeräte. Die Details je Land stehen weiter unten in der Länder-Übersicht.

Haftung, Rückgaben und Lieferzeiten

Für Ihre Kunden sind Sie der Händler, mit allen Pflichten, die das Verbraucherrecht vorsieht. Dass ein Lieferant in einem anderen Land die Ware verschickt, ändert daran nichts.

Gewährleistung

Laut EU-Recht haben Verbraucher mindestens zwei Jahre Gewährleistung. Zeigt sich in dieser Zeit ein Mangel oder entspricht das Produkt nicht der Beschreibung, sind laut Your Europe Sie als Verkäufer verantwortlich. Der Kunde kann kostenlos Reparatur oder Ersatz verlangen, unter bestimmten Voraussetzungen auch Preisnachlass oder Erstattung. Zeigt sich ein Mangel innerhalb eines Jahres nach Übergabe, wird vermutet, dass er schon bei der Übergabe bestand. Das regeln § 11 VGG in Österreich und § 477 BGB in Deutschland. Beachten Sie auch: An alle Angaben in Ihrer Werbung und Produktbeschreibung sind Sie gebunden.

Rücktrittsrecht und Rücksendungen

Verbraucher in der EU können online gekaufte Ware binnen 14 Tagen ohne Begründung zurückgeben. Die Frist beginnt mit dem Erhalt der Ware. Fehlt die Belehrung über das Rücktrittsrecht, verlängert sich die Frist laut WKO um 12 Monate. Den Kaufpreis samt Standardversand erstatten Sie spätestens binnen 14 Tagen. Sie dürfen die Zahlung zurückhalten, bis die Ware bei Ihnen ist oder der Kunde den Versand nachweist.

Die unmittelbaren Kosten der Rücksendung trägt der Kunde nur, wenn Sie ihn vorher darüber informiert haben (§ 357 BGB, in Österreich laut WKO ebenso). Seit 2026 kommt eine neue Pflicht dazu: eine Schaltfläche „Vertrag widerrufen“ im Shop. Laut WKO gilt sie für österreichische Webshops seit 1. Oktober 2026. In Deutschland ist die Pflicht schon seit 19. Juni 2026 in Kraft, Shops mit Kunden dort beachten sie also bereits seitdem. Seit 27. September 2026 müssen Onlineshops zudem das EU-einheitliche Gewährleistungslabel anzeigen.

Planen Sie Rücksendungen vor dem Start. Eine Rücksendung an einen Lieferanten außerhalb der EU kann teurer sein als die Ware selbst. Das ist eine Einschätzung, keine feste Regel. Klären Sie deshalb vorab, ob Rückläufer an eine Adresse in der EU gehen können und ob der Lieferant defekte Ware ersetzt.

Lieferzeiten und Versandrisiko

Geben Sie nur Lieferzeiten an, die Sie einhalten können. In Österreich muss die Ware ohne andere Vereinbarung spätestens 30 Tage nach Vertragsabschluss beim Kunden sein (§ 7a KSchG). Geht ein Paket unterwegs verloren, tragen Sie in Österreich das Risiko, bis die Ware beim Kunden ankommt (§ 7b KSchG). Die IHK Hochrhein-Bodensee rät, bei der Lieferzeit einen Puffer einzuplanen, Bestände möglichst automatisch abzugleichen und Sendungsverfolgung anzubieten.

Produktsicherheit und Markenrechte

Seit 13. Dezember 2024 gilt die EU-Produktsicherheitsverordnung (GPSR), und sie betrifft auch Händler. Im Online-Angebot müssen laut IHK Dortmund Name und Kontaktdaten des Herstellers stehen, bei Herstellern außerhalb der EU auch die der verantwortlichen Person in der EU. Dazu kommen eine Abbildung, Angaben zur Identifikation und Warnhinweise in der Landessprache.

Gerade beim Dropshipping aus Drittstaaten ist die verantwortliche Person der Knackpunkt. Laut WKO ist das der Bevollmächtigte des Herstellers, sonst der Einführer, im Beispiel der WKO ein Onlineshop-Betreiber. Gibt es keine verantwortliche Person in der EU, darf das Produkt nicht an Endnutzer verkauft werden. Lassen Sie sich diese Angaben deshalb vor dem Listing vom Lieferanten bestätigen.

Ebenso klar ist das Markenrecht. Wer ohne Zustimmung des Markeninhabers Waren unter dessen Marke anbietet, kann laut § 14 MarkenG auf Unterlassung und bei Verschulden auf Schadenersatz in Anspruch genommen werden. Gefälschte Ware zieht der Zoll ein und vernichtet sie, eventuell folgt ein Strafverfahren. Auffällig billige Markenware aus unbekannter Quelle ist deshalb tabu.

Zoll und Einfuhrumsatzsteuer beim Dropshipping

Kommt die Ware aus einem Land außerhalb der EU, fallen Abgaben an, auch bei kleinen Sendungen. Seit 1. Juli 2021 gilt die Einfuhrumsatzsteuer laut Finanzministerium ab dem ersten Cent Warenwert. Seit 1. Juli 2026 ist auch die Zollfreigrenze von 150 Euro weggefallen. Für Fernverkäufe an Verbraucher gilt stattdessen ein pauschaler Zoll von 3 Euro je Warenkategorie. Der deutsche Zoll nennt als Beispiel: Vier Paar Socken kosten zusammen 3 Euro, mit einem Plüschtier und einem Ladekabel sind es 9 Euro.

Ab 1. November 2026 kommt zusätzlich eine EU-Bearbeitungsgebühr von 2 Euro je Warenposition dazu, unabhängig vom Warenwert und nicht erstattungsfähig. Die Höhe legt die Delegierte Verordnung (EU) 2026/2152 der EU-Kommission fest. Sie wurde am 22. Oktober 2026 im Amtsblatt der EU veröffentlicht und gilt ab 1. November 2026. Als eine Warenposition gelten Waren derselben Zolltarif-Unterposition und desselben Ursprungs in einer Sendung: Fünf T-Shirts sind eine Position, ein T-Shirt und eine Uhr sind zwei. Der Pauschalzoll von 3 Euro ist eine Übergangsregel bis mindestens 1. Juli 2028. Zahlt der Kunde die Abgaben bei der Zustellung, kommt in der Regel eine Servicepauschale des Paketdienstes dazu. Das sorgt für Ärger und Annahmeverweigerungen.

Das IOSS-Verfahren erlaubt es, die Umsatzsteuer für Sendungen bis 150 Euro schon an der Kasse zu erheben. Dann fällt beim Zoll keine zusätzliche Einfuhrumsatzsteuer an. Laut WKO ist IOSS beim klassischen Dropshipping aber meist nicht nutzbar, weil der Dropshipper nicht die bewegte Lieferung ausführt. Häufig ist dann eine Registrierung zur Umsatzsteuer im Land des Kunden nötig.

Schritt für Schritt starten

  1. Produkt durchrechnen: Rechnen Sie Einkauf, Gebühren, Werbung, Retouren und Steuer durch, bevor Sie ein Produkt aufnehmen.
  2. Lieferanten prüfen: Bestellen Sie selbst ein Muster und messen Sie Lieferzeit und Qualität.
  3. Pflichten klären: Klären Sie Gewerbe, Umsatzsteuer, Zoll, Produktsicherheit und Verpackung für Ihre Lieferländer.
  4. Gewerbe anmelden: Melden Sie das Gewerbe an, bevor Sie verkaufen. Die Details stehen weiter unten in der Länder-Übersicht.
  5. Shop einrichten: Wählen Sie Tarif und Zahlungsanbieter, binden Sie die Lieferanten-App an und hinterlegen Sie Rechtstexte, Widerrufsbutton und Gewährleistungslabel.
  6. Produktangaben vervollständigen: Tragen Sie Hersteller, verantwortliche Person, Abbildung und Warnhinweise ein.
  7. Rückgaben regeln: Legen Sie Rücksendeadresse, Kostenregel und Ablauf für defekte Ware fest.
  8. Klein testen: Starten Sie mit einem kleinen Werbebudget und beobachten Sie die Kosten je Verkauf.
  9. Auswerten: Prüfen Sie monatlich Werbekosten, Retourenquote und Reklamationen und nehmen Sie Produkte heraus, die sich nicht rechnen.

Häufige Fehler

Die meisten Verluste entstehen durch zu optimistische Kalkulation und unterschätzte Händlerpflichten. Typische Fehler:

  • Werbekosten ignorieren: Wer nur Einkauf und Verkaufspreis vergleicht, übersieht den größten Kostenblock.
  • Lange Lieferzeiten verschweigen: Unrealistische Angaben führen zu Reklamationen, Stornos und Rückbuchungen.
  • Haftung auf den Lieferanten schieben: Gegenüber dem Kunden haften Sie, egal was der Lieferant zusagt.
  • Rücksendekosten nicht regeln: Ohne vorherige Information tragen Sie die Kosten der Rücksendung selbst.
  • Zoll vergessen: Seit Juli 2026 kostet auch eine kleine Sendung aus einem Drittstaat Zoll, dazu Einfuhrumsatzsteuer.
  • Produktangaben unvollständig: Fehlt die verantwortliche Person in der EU, darf das Produkt nicht verkauft werden.
  • Markenware aus unklarer Quelle: Fälschungen bedeuten Unterlassung, Schadenersatz und vernichtete Ware.
  • Umsatzsteuer falsch einordnen: Dropshipping ist oft ein Reihengeschäft mit Registrierungspflichten im Ausland.

Steuer und Anmeldung für Dropshipper

Wer Ware gezielt für den Weiterverkauf einkauft, handelt in Österreich und Deutschland in der Regel gewerblich und braucht eine Gewerbeanmeldung. In der Schweiz gibt es keine Gewerbeanmeldung, dort zählt die Anmeldung bei der AHV-Ausgleichskasse. Die Details für alle drei Länder finden Sie weiter unten in der Länder-Übersicht, allgemeine Werte in den Grundlagen zu Einkommensteuer und Sozialversicherung.

Anspruchsvoll ist vor allem die Umsatzsteuer. Laut WKO liegt beim Dropshipping in der Regel ein Reihengeschäft vor, und je nach Lieferbedingungen ändert sich, wo die Lieferung steuerbar ist. Klären Sie Lieferbedingungen, Einfuhrumsatzsteuer und Registrierungen vor dem ersten Verkauf mit einer Steuerberatung.

Vergleich mit anderen Handelsmodellen

Jedes Modell verteilt Kapital, Aufwand und Verantwortung anders. Die Tabelle fasst die Unterschiede zusammen.

Dropshipping Amazon FBA Print on Demand mit eigenem Shop
Lager beim Lieferanten im Amazon-Lager, Ware vorab bezahlt keines, Druck nach Bestellung
Kapitalbindung gering mittel gering
Kunden finden eigene Werbung Amazon-Marktplatz eigene Werbung
Versand und Retouren Sie organisieren, Lieferant versendet Amazon Druckdienstleister versendet, Sie bleiben Verkäufer
Produkt fremde Ware eigene oder fremde Ware eigene Motive

Wer lieber mit Lager und Marktplatz arbeitet, findet bei Amazon FBA einen Weg mit mehr Kapitaleinsatz und weniger Werbedruck. Mit eigenen Motiven und ohne Ware funktioniert Print on Demand. Für Handgemachtes und eigene Designs bietet ein Etsy-Shop einen Marktplatz mit eigenen Besuchern. Wer gar nicht selbst verkaufen möchte, kann Produkte per Affiliate-Marketing empfehlen. Verkaufen über Videos und Live-Streams ermöglicht der TikTok Shop.

Für wen es sich lohnt

Dropshipping lohnt sich für Menschen, die nüchtern rechnen und Händlerpflichten ernst nehmen. Sie sparen sich Lager und Vorfinanzierung, tragen aber Werbekosten, Retouren und die volle Haftung gegenüber Ihren Kunden. Wer Lieferzeiten, Produktsicherheit, Zoll und Umsatzsteuer von Anfang an im Griff hat, kann ein Produkt sauber kalkulieren. Ein sicheres oder planbares Einkommen ist es nicht. Starten Sie mit einem Produkt, einem kleinen Werbebudget und einer klaren Grenze für die Kosten je Verkauf.

Länder-Übersicht: Steuer und Anmeldung in Ihrem Land

Österreich

Gewerbe
Der Handel mit Waren ist ein freies Gewerbe. Sie brauchen keinen Befähigungsnachweis, müssen das Handelsgewerbe aber bei der Bezirkshauptmannschaft oder dem Magistrat anmelden. Für bestimmte Waren wie Medizinprodukte, Pharmazeutika oder Pyrotechnik gelten reglementierte Gewerbe.
Umsatzsteuer
Dropshipping ist laut WKO in der Regel ein Reihengeschäft. Kommt die Ware aus einem Drittstaat, schuldet im Beispiel der WKO der Dropshipper die Einfuhrumsatzsteuer, und oft ist eine Registrierung im Land des Kunden nötig. Die Kleinunternehmerregelung hilft bei solchen grenzüberschreitenden Lieferungen laut WKO meist nicht. Klären Sie das vor dem Start mit einer Steuerberatung.
Verpackung
Seit 12. August 2026 gilt die EU-Verpackungsverordnung (PPWR). Wer verpackte Ware aus einem Drittstaat bezieht, gilt laut WKO in der Regel als Importeur, mit eigenem Branding unter Umständen als Erzeuger. Lassen Sie sich die Konformitätsunterlagen für Verpackungen früh vom Lieferanten geben.
Rücktritt
Verbraucher können binnen 14 Tagen ab Erhalt der Ware zurücktreten. Seit 1. Oktober 2026 brauchen Webshops in Österreich zusätzlich eine Schaltfläche „Vertrag widerrufen“. Für Kunden in Deutschland gelten die deutschen Regeln dazu laut WKO schon seit 19. Juni 2026.
Sozialversicherung
Mit Gewerbeschein sind Sie nach GSVG grundsätzlich ab dem ersten Euro bei der SVS versichert. Auf Antrag gibt es die Kleinunternehmerausnahme (2026: höchstens 6.613,20 Euro Einkünfte und 55.000 Euro Umsatz), die Unfallversicherung bleibt. Ob Sie die Ausnahme nutzen können, hängt auch von Alter und früheren Versicherungszeiten ab. Als Neue Selbständige sind Sie 2026 erst ab Einkünften über 6.613,20 Euro versichert.

Deutschland

Gewerbe
Wer Waren kauft, um sie weiterzuverkaufen, handelt laut IHK in der Regel gewerblich und meldet ein Gewerbe an, auch im Nebenerwerb. Gewerbesteuer fällt erst ab einem Gewerbeertrag über 24.500 Euro im Jahr an.
Finanzamt
Melden Sie die Tätigkeit innerhalb eines Monats mit dem Fragebogen zur steuerlichen Erfassung über Mein ELSTER an (§ 138 AO). Neben dem Gehalt ist eine Steuererklärung Pflicht, wenn Ihre Nebeneinkünfte über 410 Euro im Jahr liegen.
Verpackung
Wer verpackte Ware an Endkunden in Deutschland liefert, braucht eine Registrierung im Verpackungsregister LUCID und einen Systemvertrag für Versandverpackungen. Unternehmen ohne Sitz in Deutschland benennen laut Zentraler Stelle einen Bevollmächtigten.
Elektrogeräte
Elektro- und Elektronikgeräte dürfen Sie erst verkaufen, wenn Sie bei der stiftung ear registriert sind. Ausländische Hersteller brauchen einen Bevollmächtigten.
Umsatzsteuer
Kleinunternehmer sind Sie, wenn der Umsatz im Vorjahr höchstens 25.000 Euro betrug und im laufenden Jahr 100.000 Euro nicht überschreitet.

Schweiz

Anmeldung
Eine Gewerbeanmeldung gibt es nicht. Liegt der Reingewinn aus dem Nebenerwerb über CHF 2.500 im Jahr, melden Sie sich bei einer AHV-Ausgleichskasse als selbständigerwerbend an.
Mehrwertsteuer
MWST-pflichtig werden Sie erst ab einem Jahresumsatz von CHF 100.000. Versandhändler, die Kleinsendungen mit einem Einfuhrsteuerbetrag bis CHF 5 aus dem Ausland in die Schweiz schicken, unterliegen laut BAZG seit 2019 der Schweizer MWST.
Rückgabe
Ein gesetzliches Widerrufsrecht für Online-Käufe gibt es in der Schweiz nicht. Gewähren Sie freiwillig eines, nennen Sie Frist und Ablauf klar in Ihren Bedingungen.
Gewährleistung
Konsumenten haben bei neuen Waren zwei Jahre Zeit für Mängelrechte. Verkürzen dürfen Sie die Frist gegenüber Privatkunden nicht, ein Ausschluss ist nur klar außerhalb der AGB möglich.

Passt das zu Ihnen?

Gute Wahl, wenn Sie
  • nüchtern rechnen, inklusive Werbung und Retouren
  • sich in Verbraucherrecht, Produktsicherheit und Umsatzsteuer einarbeiten
  • Kundenservice selbst übernehmen
Eher nichts, wenn Sie
  • auf schnelles Geld ohne Werbebudget hoffen
  • Verantwortung für Lieferzeiten und Mängel abgeben möchten
  • Markenprodukte günstig aus unklaren Quellen verkaufen wollen

Häufige Fragen

Ist Dropshipping legal?

Ja, das Modell selbst ist erlaubt. Sie müssen aber alle Pflichten eines Onlinehändlers erfüllen, also Gewerbe, Rücktrittsrecht, Gewährleistung, Produktsicherheit und Umsatzsteuer. Wer gefälschte Markenware anbietet, verletzt dagegen Markenrechte.

Wie viel kostet ein Dropshipping-Shop bei Shopify?

Laut Preisseite von Shopify für Österreich (Oktober 2026) kostet der Tarif Basic 32 Euro pro Monat, bei jährlicher Zahlung 24 Euro pro Monat. Dazu kommen bei Shopify Payments Kartengebühren von 2 Prozent plus 0,25 Euro je Online-Zahlung. Neue Shops testen laut Shopify 3 Tage kostenlos und danach 3 Monate für 1 Euro im Monat. Apps wie DSers gibt es in einer kostenlosen Basisversion, erweiterte Tarife kosten extra.

Wer haftet beim Dropshipping, wenn das Produkt kaputt ankommt?

Sie als Verkäufer. Ihr Kunde hat den Vertrag mit Ihnen geschlossen, nicht mit dem Lieferanten, und kann mindestens zwei Jahre Gewährleistung geltend machen. In Österreich trägt der Händler bei Versand außerdem das Risiko, bis die Ware beim Kunden ankommt.

Muss ich Rücksendungen bei Dropshipping annehmen?

Ja, gegenüber Verbrauchern in der EU gilt das 14-tägige Rücktrittsrecht auch im Dropshipping. Den Kaufpreis samt Standardversand erstatten Sie spätestens binnen 14 Tagen. Die Rücksendekosten trägt der Kunde nur, wenn Sie ihn vorher darüber informiert haben.

Muss ich als Dropshipper Zoll zahlen?

Kommt die Ware aus einem Land außerhalb der EU, fällt seit 1. Juli 2026 auch bei Sendungen bis 150 Euro ein pauschaler Zoll von 3 Euro je Warenkategorie an, dazu die Einfuhrumsatzsteuer. Ab 1. November 2026 kommt eine EU-Bearbeitungsgebühr von 2 Euro je Warenposition dazu. Wer sie zahlt, hängt von Ihren Lieferbedingungen ab. Im Beispiel der WKO schuldet der Dropshipper die Einfuhrumsatzsteuer.

Was ist IOSS und brauche ich das?

Das Import One Stop Shop (IOSS) ist ein freiwilliges Verfahren für Sendungen bis 150 Euro Sachwert. Die Umsatzsteuer wird dann schon an der Kasse erhoben, und beim Zoll fällt keine zusätzliche Einfuhrumsatzsteuer an. Beim klassischen Dropshipping ist IOSS laut WKO aber meist nicht nutzbar, klären Sie das mit einer Steuerberatung.

Darf ich Markenprodukte über Dropshipping verkaufen?

Nur Originalware aus seriöser Quelle. Wer ohne Zustimmung des Markeninhabers Waren unter dessen Marke anbietet, kann auf Unterlassung und bei Verschulden auf Schadenersatz in Anspruch genommen werden. Gefälschte Ware zieht der Zoll ein und vernichtet sie.

Welche Lieferzeit darf ich im Shop angeben?

Eine Lieferzeit, die Sie verlässlich einhalten können. In Österreich muss die Ware ohne andere Vereinbarung spätestens 30 Tage nach Vertragsabschluss beim Kunden sein. Die IHK Hochrhein-Bodensee rät, bei der Angabe einen Puffer einzuplanen.

Brauche ich bei Dropshipping eine verantwortliche Person in der EU?

Bei Produkten von Herstellern außerhalb der EU muss es eine in der EU niedergelassene verantwortliche Person geben, etwa einen Bevollmächtigten oder den Einführer. Gibt es sie nicht, darf das Produkt laut WKO nicht an Endnutzer verkauft werden. Name und Kontakt gehören ins Angebot und auf Produkt, Verpackung oder Begleitunterlagen.

Gibt es in der Schweiz ein Widerrufsrecht für Online-Käufe?

Nein, ein gesetzliches Widerrufsrecht gibt es in der Schweiz nicht. Sie können freiwillig eines gewähren und müssen es dann klar in Ihren Bedingungen regeln. Für Kunden in der EU kennt das EU-Recht ein Widerrufsrecht von 14 Tagen. Ob es für Ihren Schweizer Shop greift, klären Sie im Einzelfall, mehr zur Schweiz steht in der Länder-Übersicht oberhalb dieser Fragen.

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Mathias Galler

Gründer von Finanzbaron, lebt in Graz. Schreibt hier, wie man online Geld verdient und was dabei in Österreich, Deutschland und der Schweiz gilt.

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